Kraken oder Oktopusse sind achtarmige Kopffüßer (Cephalopoda), die mit rund 200 Arten in allen Weltmeeren vertreten sind. Sie sind zu erstaunlichen Intelligenzleistungen befähigt und haben sich an verschiedenste marine Lebensräume angepasst. Eine Reihe von Arten lebt in der Tiefsee, d.h. in mindestens 200 Metern Tiefe. Insbesondere die Gruppe der cirrentragenden Kraken (Cirrata) hat sich an das Leben in den tiefen, lichtlosen Zonen angepasst. Die Tiere weisen die für Kopffüßer typische Körpergliederung in einen Kopffuß mit saugnapfbewehrten Armen und großen Linsenaugen auf sowie einen Rumpf (Eingeweidesack), dem bei den Cirrata paarige Flossen aufsitzen (hier wie Ohren aussehend; auf diese Strukturen spielt auch die populäre Benennung Dumbo-Oktopusse an). Namensgebend sind die fransenartigen Fortsätze (Cirren) auf der Unterseite der Arme, die neben den in einer Reihe liegenden Saugnäpfen stehen. Eine weitere Besonderheit ist die Hautfalte, die zwischen den Armen aufgespannt ist und gewöhnlich bis zur Armspitze reicht – sie wird als Segel bezeichnet.

Das hier gezeigte Exemplar von Opisthoteuthis agassizii Verrill, 1883, war adult und wies eine Armspannweite von etwa 20 cm auf. Es wurde am 19. November 2019 mit Hilfe eines ferngesteuerten Unterwasserroboters im Rahmen einer NOAA-Tiefseeexpedition vor der Südostküste der USA in 928 bis 973 m Tiefe aufgenommen. In Anpassung an das Leben auf dem Tiefseegrund sind die Opisthoteuthiden scheibenartig abgeflacht. Sie können mit ihren Armen auf dem Untergrund kriechen oder durch Zusammenziehen des Segels schwimmen. Der Körper der Opisthoteuthiden ist kurz, trägt nur kleine Flossen und ragt wie ein Buckel aus der Armscheibe hervor. Die weißen Flecken auf der Oberseite des Mantels (Areolarflecken) haben vermutlich Sinnesfunktion (zum Beitrag S. 573, vgl. auch S. 624). [Photo NOAA Office of Ocean Exploration and Research/www.oceanexplorer. noaa.gov]

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