Hydrodictyon ist eine der bemerkenswertesten koloniebildenden Grünalgen: Hunderte stabförmige, 5 bis 10 Millimeter lange Zellen bilden ein filigranes Netzwerk, das makroskopische Ausmaße erreichen kann und in sauberen bis höchstens mäßig verschmutzen stehenden Gewässern anzutreffen ist. Gelegentlich kann es zu einer Massenentfaltung kommen. In der Regel ist jedes der Zellenden mit zwei anderen Zellen verbunden, wodurch ein Netz mit einem Sechseck-Maschenmuster entsteht, das einen beidseitig geschlossenen Hohlzylinder bildet. Je nach Alter und Außenbedingungen erreichen die Kolonien eine Länge von einigen Millimetern bis über einen Meter. Die Zellen besitzen in ihrem Zentrum eine große, langgestreckte Vakuole, der eigentliche lebende Zellkörper (Protoplast) liegt der Zellwand an. Er enthält einen zylindrischen, von Lücken durchbrochenen Chloroplasten mit zahlreichen Pyrenoiden, Strukturen, die von Stärke umgeben sind. Im Lichtmikroskop weniger gut zu erkennen sind die zahlreichen Zellkerne. Die Vermehrung erfolgt je nach Bedingungen auf geschlechtlichem oder ungeschlechtlichem Wege. Im letzteren Fall entstehen in den Zellen des Mutternetzes viele begeißelte Zoosporen, die sich schließlich um die zentrale Vakuole versammeln, die als Hohlform für das entstehende Netz dient. Die anfangs noch rundovalen Zellen nehmen untereinander Kontakt auf, ziehen ihre Geißel ein und strecken sich in die Länge. Das Tochternetz wird schließlich durch Auflösung der Zellwand der Mutterzelle frei. Aus jeder einzelnen Zelle des heranwachsenden Netzes kann wieder durch vegetative Vermehrung ein Schlauchnetz gebildet werden. Der vegetative Zyklus ermöglicht somit eine rasche Vermehrung, um günstige Bedingungen ausnutzen zu können. Der generative, sexuelle, Zyklus wird bei sich verschlechternden Bedingungen eingeleitet. Hierbei werden in den Zellen Gameten gebildet, die schließlich durch eine Öffnung ins Freie gelangen. Die Gameten-Kopulation führt zur Zygote, die verschiedene Reifungsstadien durchläuft. Schließlich bildet sie über eine Reduktionsteilung vier Meiosporen, die zum Polyederstadium heranreifen, das fähig ist, ungünstige Bedingungen zu überdauern. Im Inneren des durch Zackenfortsätze ausgezeichneten Stadiums kommt es zur Bildung begeißelter Zoosporen, die sich wie bei der vegetativen Fortpflanzung zu einem Netz zusammenlagern, das allerdings meist nicht geschlossen ist. Die beiden Fortpflanzungszyklen sind nicht immer scharf zu trennen und sind abwandlungsfähig. (Zum Beitrag S. 572). [A. Pirson: Ungeschlechtliche (bzw. Geschlechtliche) Fortpflanzung der Grünalge Hydrodictyon reticulatum. Göttingen 1972. Begleitveröffentlichung zu Film C 1042 bzw. C 1043, IWF 1970. – Mikroskopische Aufnahme (300 x, Kurisches Haff, 2011): Alexandra Volodina, Shirshov Institute of Oceanology, RAS, Kaliningrad, vgl. A. Volodina, M. Gerb: Botanica Lithuanica 19, 72 (2013)]

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