Rädertierchen (Rotiferen oder Rotatorien) gehören zu jenen Tiergruppen, die an die untere Grenze der für Vielzeller möglichen Miniaturisierung gehen. Sie sind meist unter einem Millimeter lang und liegen damit im Größenbereich großer Wimpertierchen. Ihr Körper weist eine mehr oder weniger deutliche Dreiteilung auf mit einem Vorderende, einem sackartigen Rumpf und einem beweglichen Fuß, der als Steuer beim Schwimmen und/ oder zum Festheften am Untergrund dient. Der Fuß endet meist in paarigen Zehen, an deren Enden Klebdrüsen ausmünden. Mit ihren über 2000 Arten sind die Rädertiere überwiegend in Süßgewässern und in Wasserfilmen im Boden, in Moosrasen und ähnlich durchfeuchteten, oft nur temporär vorhandenen Lebensstätten vertreten; vergleichsweise wenige Arten leben im marinen Pelagial und Sandlückensystem. Namengeben ist das am Vorderende liegende Räderorgan, ein vielgestaltiges Wimpernfeld, das den Mund umgibt. Der synchrone Schlag langer Cilien ruft im mikroskopischen Bild den Eindruck sich drehender Speichenräder hervor. Bei den vorwiegend am Grund lebenden bzw. substratgebundenen Formen wie Adineta vaga dienen die Cilien dem Herbeistrudeln und Aufsammeln von Nahrungspartikeln (vorwiegend Bakterien und einzellige Algen). Adineta vaga gehört zu den Bdelloidea, deren Besonderheit ein dorsal vom Mund gelegener ausstreckbarer Rüssel ist, der zusammen mit dem Fuß eine spannerartige Fortbewegung ermöglicht. Ist der Rüssel eingezogen, so ist am Vorderende des Räderorgan zu sehen, wie auf dem Titelbild. Die Nahrung wird von dem hinter dem Vorderende liegenden Mund aufgenommen und in dem mit chitinösen Strukturen ausgestatteten Kaumagen zerkleinert.

Rädertierchen sind getrenntgeschlechtlich. Bei den rein marinen Formen (Seisonida) sind die Geschlechter gleich häufig und gleich groß. Bei den terrestrischen bzw. limnischen Arten herrschen die Weibchen vor: Bei den Monogonanta gibt es oft parthenogenetische und bisexuelle Fortpflanzung im Wechsel (Heterogonie), wobei die Männchen meist verzwergt sind und einen verkümmerten Darm haben. Bei den Bdelloidea sind Männchen hingegen völlig unbekannt. Im Rahmen ihrer einelterlichen Fortpflanzung gibt es aber, wie neueste Untersuchungen zeigen, Hinweise auf genetische Rekombinationsereignisse (vgl. Beitrag S. 495). [Photo Michael Plewka/www.plingfactory.de]

Rd