Auch in unseren Tagen kann man ungewöhnliche und rekordverdächtige Baumarten entdecken. In diese illustre Reihe gehört neben der australischen Wollemie-Kiefer (1994) und dem bis 100 Meter hohen Merantibaum (2019) auf Borneo auch Coccoloba gigantifolia aus dem Tropenwald Zentralamazoniens. Der Baum wurde erst 1982 von der Wissenschaft entdeckt, blieb dann über Jahre wenig beachtet und rückte erst in jüngster Zeit in den Mittelpunkt der Forschung.

Der zu den Knöterichgewächsen gehörende Baum erreicht Höhen bis zu 15 Metern und nutzt damit die mittlere Etage des Tropenwaldes. Mit einem schmächtigen Stamm wird er leicht übersehen, wären nicht die meterlangen Blätter, die – nach dem Laubfall braun geworden –lange Zeit unverrottet auf dem Boden liegenbleiben. Als „Espírito do veado“ – „Geist des rotbraunen Hirsches“ bezeichnen sie die indigenen Einwohner, die seit langem von dem Baum wissen, ihn aber in keiner Weise nutzen. Der „Riesenblattbaum“ macht in seinem Leben einen bemerkenswerten Gestaltwandel durch, der auch die Blattmorphologie betrifft. Die Jungbäume haben einen unverzweigten Stamm und bilden drei bis fünf schraubig angeordnete große Blätter auf. Diese sind auf beiden Seiten behaart und haben beiderseits helle Blattflächen. Am Ende ihrer Jugendphase bilden die Bäume Blätter mit dunkler Ober- und heller Unterseite aus, die nun nur noch unterseits vollständig behaart sind.

Erst im Alter beginnt der Baum, sich zu verzweigen und eine schirmförmige Baumkrone auszubilden. Bei jungen Pflanzen hingegen sind die überdimensional großen Blätter schirmartig ausgebreitet, wie auf dem Bild des rund 6 m hohen Baumes eindrucksvoll zu sehen ist. Die derben Blätter weisen zahlreiche Fraßspuren sowie nekrotische Stellen auf und haben genügend Festigkeit, um kleine herabgefallene Zweige zu tragen. (Zum Beitrag S. 453) [Photo Prof. Dr. Peter Baur, Schondorf]

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