Der Maletsunyane-Wasserfall gilt als eine der touristischen Attraktionen im Königreich Lesotho. Er stürzt 192 m ohne Unterbrechung von einer Abbruchkante der Drakensberge herab, des höchsten Gebirges im südlichen Afrika, das überwiegend aus basaltischen Gesteinen besteht. Sie entstanden vor etwa 180 Millionen Jahren, als die Sedimente des Karoo-Hauptbeckens von Flutbasalten überdeckt wurden. Derartige Magmaausbrüche sind eine Form des Vulkanismus und haben im Laufe der Erdgeschichte wiederholt zu Faunen- und Florenschnitten beigetragen, d.h. zu Massenaussterben, in deren Folge es zur Entfaltung neuer Lebensformen kam. Sie markieren damit Zäsuren in der Erdgeschichte. Auch mit dem Massenaussterben, das vor ca. 66 Mio. Jahren – an der Wende Mesozoikum/Känozoikum, genauer: Kreide/Tertiär (Paläogen) – stattfand und zur spektakulären Auslöschung der Dinosaurier führte, werden Flutbasalt-Ausbrüche in Zusammenhang gebracht (vgl. S. 397). Doch als hauptsächlicher Auslöser gilt hier der Meteoriteneinsturz, der zur Bildung des Chicxulub-Kraters im Norden der Yucatán-Halbinsel Mexikos geführt hat. Dieses Massenaussterben ist das letzte der „Big Five“ – vier weitere, teils noch wesentlich drastischere, waren vorausgegangen. Auch für sie werden stets mehrere Ursachen diskutiert, und auch bei ihnen scheinen Magmatische Großprovinzen eine mehr oder weniger große Rolle gespielt zu haben. Mit dem Begriff werden Gebiete bezeichnet, in denen über einen langen Zeitraum gewaltige Mengen magmatischer Gesteine (vor allem Basalt) und vulkanischer Gase aus Magmakammern an die Erdoberfläche strömten. Das älteste Massenaussterben, dem etwa 85% aller aquatischen Arten zum Opfer fiel, war das Ordovizische Ereignis. Es fand vor ca. 450 und 440 Mio. Jahren statt und verlief in zwei Wellen, deren Höhenpunkte mit dem Anfang und dem Ende einer extremen Eiszeit zusammenfielen. Eine Ursache der Vereisung war der Rückgang der atmosphärischen CO2-Konzentration. Vermutlich trug hierzu eine erste Vegetationsdecke bei, die CO2 band und zugleich die Verwitterung beschleunigte. Hinzu kam eine extreme Absenkung des Meeresspiegels, da gigantische Wassermassen auf dem zum Südpol gedrifteten Superkontinent Pangaea in Gletschern gebunden waren. Das Ende dieser Eiszeit führte dann zur zweiten Aussterbewelle. Ein weiteres großes Artensterben, das Kellwasser-Ereignis (benannt nach den Kellwasserkalken im Oberharz), fand vor 372 Mio. Jahren im Devon statt. Es wurde vermutlich maßgeblich durch Vulkanismus verursacht und führte zum Niedergang von 50 bis 75% der marinen Arten.

An der Perm-Trias-Grenze vor 252 Mio. Jahren kam es zu dem gravierendsten aller Massenextinktionen, bei dem ca. 70% aller terrestrischen sowie ca. 96% aller marinen Arten ausgelöscht wurden. Es wird auf einen gewaltigen Flutbasalt-Ausbruch in Sibirien zurückgeführt. Das Massenaussterben an der Trias-Jura-Grenze vor 201 Mio. Jahren fand nach neueren Erkenntnissen innerhalb von nur ca. 10 000 Jahren statt; etwa 75% aller Arten wurden ausgelöscht. Als Ursache werden Flutbasalt-Ausbrüche im Osten des (heutigen) Nord- und Südamerikas, in Afrika (u. a. im Karoo-Becken, vgl. Titelbild) und Südeuropa angenommen. Die Magmaausbrüche fanden über einen Zeitraum von 60 000 Jahren statt und markieren den Beginn des Zerfalls Pangaeas in die heutigen Kontinente. [Photo BagelBelt/Wikimedia PD]

Angela Wüstenhagen, Stuttgart