Schwefel ist das 2. Element der 6. Hauptgruppe des Periodensystems, der sog. Chalkogene oder Erzbildner. Sein Anteil an der gesamten Erdmasse wird auf 0,46% geschätzt; er steht damit an 8. Stelle der Elementhäufigkeit und kann mächtige Lagerstätten bilden. Zudem ist er eines der 14 Elemente, die in der Natur auch gediegen – das heißt in elementarer Form – vorkommen. Insbesondere durch vulkanische Aktivität wird er in großen Mengen in pulvriges Form als feinkristalline Schwefelblüte freigesetzt, wie auf dem Titelbild zu sehen: Es zeigt einen Solfatar, eine Sonderform des Fumarols. Fumarole sind Austrittstellen von 200 bis 900 °C heißem, vulkanischem Gas, das bei Solfataren Schwefelwasserstoff (H2S), Kohlendioxid und elementaren Schwefel in Wasserdampf enthält. Durch Oxidation wird aus dem H2S elementarer Schwefel freigesetzt (2 H2S + O2 → 2 H2O + 2/8 S8). Der abgebildete Solfatar befindet sich auf White Island, Neuseeland.
Schwefel ist das Element mit den meisten allotropen Formen, d. h. er ist in der Lage, homoatomare, ketten- oder ringförmige Moleküle unterschiedlicher Länge und Form zu bilden. In der Natur liegt er überwiegend als orthorhombischer Schwefel vor, der aus 8zähligen, wie Kronen geformten Ringen besteht („α-Schwefel“, Cyclooctaschwefel). Bei Temperaturen über 119,6 °C schmilzt Schwefel; in der dünnflüssigen, hellgelben Schmelze liegt er in unterschiedlichen Modifikationen vor. Beim langsamen Erkalten der Schmelze entsteht der fast farblose, monokline β-Schwefel, der ebenfalls aus 8zähligen Ringen besteht. Schreckt man dagegen die Schwefelschmelze mit Wasser ab, ist das Ergebnis plastischer Schwefel – eine „unterkühlte Schmelze“.
Für die Biosphäre ist Schwefel von fundamentaler Bedeutung. Er ist Bestandteil der essentiellen Aminosäuren Cystein und Methionin und zahlreicher pflanzlicher Wirkstoffe mit antibiotischen Eigenschaften. Beispiele sind das in Knoblauch (Allium sativum) und Meerrettich (Armoracia rusticana) enthaltene Alliin sowie Senfölglycoside wie Sinigrin, das u. a. vom Schwarzen Senf (Brassica nigra) gebildet wird. Außerdem ist Schwefel Grundlage des anaeroben, sauerstoffunabhängigen Schwefelkreislaufs, dem z. B. Lebensgemeinschaften um die hydrothermalen Quellen der Tiefsee (Schwarze Raucher) ihre Existenz verdanken.
Auch in der Geschichte der Menschheit spielt er bereits seit dem Altertum eine Rolle: Schwefel wurde als Desinfektions- und Heilmittel verwendet, aber auch als Kriegswaffe („Brandwaffe“) eingesetzt. Ab dem Mittelalter war er Bestandteil des Schwarzpulvers, mit dessen Hilfe die ersten Feuerwaffen betrieben wurden, ohne die die Geschichte vielleicht anders geschrieben worden wäre. [Photo James Shook/Wikimedia CC BY-SA 3.0]

Angela Wüstenhagen, Stuttgart