Beitrag
Seiten 333
bis 388
Editorial

Die erste Mondlandung

Klaus Rehfeld

"That's one small step for [a] man, one giant leap for mankind." Wie auch immer dieser Satz Neil Armstrong in den Sinn gekommen sein mag, als er ihn beim Betreten des Mondes aussprach: treffender hätte er nicht sein können: Schlicht und doch pathetisch, die eigene Unbeholfenheit eingestehend, doch voller Zuversicht. Dass der als wortkarg bezeichnete Astronaut dabei auch noch das „a“ verschluckt oder kaum hörbar hinhauchte – dieser kleine Aussetzer bei einem minutiös geplanten Unternehmen gibt dem Ganzen etwas sympathisch Menschliches. So manche Anekdote rankt sich um diese wohlgesetzten Worte – wichtiger ist aber seine Botschaft. Sie reizt durchaus zum Widerspruch:
Was bringt ein solches Unsummen verschlingendes Unternehmen angesichts der Not und des vielen Elends auf der Welt, fragten sich vor 50 Jahren viele Menschen, denen bewusst war, dass es vor allem um einen politischen Wettkampf zwischen Ost und West ging – unser Autor Martin Schneider spricht in seinem Beitrag (S. 336) sogar von einem „Stellvertreterkrieg“ der damaligen Weltmächte. War die Mondlandung wirklich ein riesiger Schritt für die gesamte Menschheit – und wohin sollte er gehen?

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333
Übersicht

Zwischen Kooperation und Konkurrenz – Der alte und der neue Wettlauf zum Mond

Martin Schneider

Mit der Mondlandung vor nunmehr 50 Jahren wurde auf wissenschaftlich-technischer Ebene ein politisch-ideologischer Wettstreit zwischen Ost und West entschieden. Lange Zeit hatte die Sowjetunion einen Vorsprung in der Raumfahrt, den die USA binnen eines Jahrzehnts in spektakulärer Weise aufholten. Als das große Ziel erreicht war, ebbte das Interesse an weiteren Mondmissionen bald ab. Seit den 1990er Jahren hat eine Renaissance der Mondmissionen eingesetzt, die von zahlreichen neuen Akteuren vorangetrieben wird. Nach wie vor geht es nicht nur um Technik und Wissenschaft, sondern auch um nationales Prestige.

336
Forum

Infraschall aus Windenergieanlagen – ein verkanntes Gesundheitsrisiko

Werner Roos

Windkraftanlagen sind zu Symbolen der Energiewende geworden, die mit dem Versprechen verbunden ist, elektrische Energie nicht nur CO2-neutral, sondern generell umweltschonend erzeugen zu können. Der Autor macht auf die möglichen gesundheitlichen Gefahren des Infraschalls aufmerksam, der durch die Rotoren hervorgerufen wird. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang Befunde, dass der unter der Hörschwelle liegende Infraschall unterschiedliche Hirnareale aktiviert. Die betroffenen Regionen machen verschiedene gesundheitliche Beschwerden plausibel, über die in der Nähe von Windkraftanlagen lebende Personen klagen.

343
Konzepte und Geschichte

„Der Herr mit dem Schöpferhut“ – Ernst Haeckels Erbe im DDR-Sozialismus

Karl Porges, Stefan Wogawa, Uwe Hoßfeld

Der gerne als „deutscher Darwin“ bezeichnete Ernst Haeckel lässt sich bis heute in kein Schema pressen – so eindeutig er sich auch zu gesellschaftlichen und philosophischen Fragen äußerte, so widersprüchlich und facettenreich sind seine Positionen. Im zweiten Teil des Beitrags wird die Haeckel-Rezeption im DDR-Sozialismus beleuchtet, wie sie sich in biographischen Werken, in der Berichterstattung und im Bildungsbereich widerspiegelt. An das internationale Renommee des Jenaer Zoologen als Meeresforscher knüpften die beiden Fischerei-Forschungsschiffe namens Ernst Haeckel an, die zugleich die Fähigkeiten der DDR im Bereich des Schiffbaus unter Beweis stellten.

351
Astronomie

Astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions HeH+

Etwa eine Mikrosekunde nach dem Urknall, vor 13,8 Milliarden Jahren, bestand das Universum aus einem extrem heißen, rasch expandierenden und sich dabei abkühlenden Plasma von Quarks und Gluonen. Daraus wurden vor allem Neutronen aufgebaut, von denen ein Teil zu Protonen und Elektronen zerfiel. Aus diesen drei Teilchenarten entstanden 300 000 bis 400 000 Jahre später positiv geladene Deuteronen und Heliumkerne, die sich mit Elektronen umgaben. Dabei wurden sie teilweise oder ganz elektrisch neutralisiert, und es entstanden Ionen bzw. Atome. Die Wechselwirkungen der äußeren Elektronen von mindestens zwei Atomen ermöglichte ihre chemische Verbindung zu Molekülen, sobald die Temperatur dies zuließ. Unter den damaligen Druckbedingungen mussten als erstes thermisch besonders stabile Moleküle entstehen. Theoretisch hat in dieser Hinsicht das Heliumhydrid-Ion HeH+ die Priorität. Dieses ionisierte Molekül konnte nun in der Gashülle eines planetarischen Nebels infrarotspektroskopisch nachgewiesen werden.

362
Umweltforschung

Alle Elektroenergie aus den Erneuerbaren?

Die entscheidende Aufgabe bei der zunehmenden Nutzung sogenannter erneuerbarer Energien besteht darin, die technischen Möglichkeiten in Übereinstimmung mit den geographischen und klimatischen Bedingungen sowie den politischen und kulturellen Besonderheiten der einzelnen Länder und ihrer Nachbarstaaten optimal zu nutzen. Davon wird abhängen, wie weit man sich dem Ziel eines möglichst hohen Anteils erneuerbarer Energie am Elektroenergieverbrauch bei gleichzeitiger Nutzung emissionsarmer Energieträger zur Gewährleistung einer stabilen, kontinuierlichen Versorgung mit Primärenergie nähern kann.

363
Chemie

Durch Interkalation entkoppeltes Graphen auf monokristallinem Kupfer

Aus der Gasphase auf Kupfer-Einkristallen abgeschiedenes Graphen ist nahezu defektfrei. Doch die Wechselwirkungen seines π-Elektronensystems mit dem Kupfersubstrat führen zu einer signifikanten Beeinträchtigung seiner einzigartigen optischen und elektronischen Eigenschaften. Diese Effekte können mit einer Kaliumbromid-Einzelschicht zwischen Graphen und Substrat weitgehend aufgehoben werden. Die Entkopplung des Graphens vom Kupfer lässt sich qualitativ anhand des Moiré-Effekts, quantitativ anhand der Elektronen-Austrittsarbeit nachweisen. Solche Messungen können mit dem Kelvinsonden-Kraftmikroskop sogar im Nanometerbereich durchgeführt werden.

366
Geowissenschaften

Massentransport im Gebirge

Mehr als 50 Prozent aller Erosionsprozesse in Gebirgslandschaften gehen auf Erdrutsche zurück, über deren Natur man bisher noch sehr wenig weiß. Die Ursache hierfür liegt darin, dass sie zufällig auftretende Oberflächenerscheinungen sind und Untersuchungen zur Regelhaftigkeit ihres Auftretens erst in letzter Zeit in Angriff genommen wurden. Jedoch zwingt die klimabedingte Zunahme ihres Auftretens zu einer intensivierten Beschäftigung mit diesem Phänomen.

366
Paläontologie

Ein zweiter fliegender Raubsaurier mit Flughaut und Federn

Aus einer Fundstätte in der Provinz Liaoning in China wurde ein zweiter oberjurassischer Raubdinosaurier bekannt, der Flügel mit Flughaut besaß, daneben aber auch Körperbefiederung. Damit bestätigt sich ein vorher undenkbar erscheinender Bauplan, bei dem die Federn nicht am Flugvermögen beteiligt waren.

368
Mikrobiologie

Bakterien ernähren den darmlosen Plattwurm Paracatenula

Chemoautotrophe schwefeloxidierende Bakterien leben als Endosymbionten in Bacteriocyten des mund- und darmlosen Plattwurms Paracatenula. Die Gesamtheit aller Bacteriocyten, das Trophosom, füllt den größten Teil des Plattwurms aus. Die Stoffwechselprodukte der Bakterien werden durch Membranvesikel an den Wirt geliefert, die sich von der äußeren Hülle der Bakterien abschnüren.

370
Mikrobiologie

Bakterien nutzen kleine Moleküle zur Phagenabwehr

Bakterien müssen sich gegen eine Vielzahl von Phagen wehren. Dazu benutzen sie vor allem Protein-basierte Systeme, die jedoch nur der einzelnen Zelle nützen. Kleine, nach außen abgegebene Moleküle mit antiviraler Wirkung können dagegen die ganze Population schützen. Tatsächlich scheinen Bodenbakterien auch auf solche Phagizide zu setzen: Sie produzieren Verbindungen, die sich in doppelsträngige DNA einlagern und vermutlich nach der Infektion die Zirkularisierung des linearen Phagen-Erbguts verhindern. Da die meisten Phagen doppelsträngige DNA besitzen, ist dieser Mechanismus wahrscheinlich von großer Bedeutung für die Coevolution von Phagen und ihren Wirten.

371
Medizin

Eine vielversprechende kausale Therapie von Schlaganfall und Hirntrauma

Versuche an Mäusen lassen berechtigt hoffen, dass die Heilung nach Schlaganfall oder anderen Hirntraumen durch Blockade des Chemokin-Rezeptors 5 (CCR5) mit dem aus der AIDS-Therapie bereits bekannten Maraviroc deutlich verbessert werden kann.

372
Zoologie

Weltweite Bilanz des Amphibien­sterbens

Der besonders aggressive Pilz Batrachochytrium dendrobatidis hat zu dramatischen Verlusten unter zahlreichen Amphibien-Populationen geführt. Eine Reihe von Arten gilt inzwischen sogar als ausgestorben. Eine weltweit durchgeführte umfassende Studie bestätigt die anhaltende Gefahr, die von dem Chytrid-Pilz für Frösche, Kröten und Salamander ausgeht.

373
Ökologie

Aufgegebene Ölpalmplantage als Biodiversitätskorridor

Erstmals ist in Sabah ein Stück Ölpalmplantage zurückgekauft worden, um inselartige Naturreservate miteinander zu verbinden. Das Gebiet, das im malaysischen Bundesstaat Sabah auf Borneo liegt, ist durch den Ölpalmanbau bereits stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Wiederbewaldung und -besiedlung mit vom Aussterben bedrohten Tierarten wird vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin und Umweltexperten aus Zürich wissenschaftlich begleitet. Die Initiatoren sind noch auf der Suche nach Geldgebern für ihr innovatives Forschungsvorhaben, das einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Aichi-Biodiversitätsziele im Rahmen der internationalen Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD) leisten kann.

375
Kurzmitteilungen

Exosomen aus Adipocyten fördern die Differenzierung der Makrophagen

376
Kurzmitteilungen

Stört Plastikmüll die chemische Kommunikation von Wasser- organismen?

376
Kurzmitteilungen

Das Trihydrogen-Kation H3+ als interstellares Thermometer

376
Bücher und Medien

Michael Schaaf: Heisenberg, Hitler und die Bombe. Gespräche mit Zeitzeugen. Um weitere Interviews und Dokumente erweiterte Neuausgabe.

Martin Schneider

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377
Bücher und Medien

Jean-Henri Fabre: Erinnerungen eines Insektenforschers. Band IX.

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378

Der Mond im Visier

In Ergänzung zu dem Beitrag aus Anlass des 50. Jahrestages der Mondlandung nennen wir hier nur aktuelle Mondmissionen.

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384
Stichwort

Trommeln

Reinhard Piechocki

In allen archaischen Kulturen der Welt kam der Trommel eine Schlüsselrolle zu. Ihr Klang gleicht dem rhythmischen Herzschlag der Mutter, den ein Ungeborener bereits im Mutterleib wahrnimmt. Die Trommel ist unter allen steinzeitlichen Perkussionsinstrumenten das markanteste, das den Rhythmus beim Tanz, beim Gesang und beim synchronen Arbeiten vorgibt. Mit der Entstehung der Jazz-, Rock- und Popmusik erlebte die Trommel eine Renaissance, indem die afroamerikanische Musiktradition der ehemaligen Sklaven zum Impulsgeber wurde.

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Retrospektive

Über lebenswichtige Stoffwechselfaktoren

Martin Battran

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