Geflügelte Termite im Baltischen Bernstein. Der Baltische Bernstein gehört seit alters wegen seiner attraktiven Farbe und weil er leicht zu bearbeiten ist zu den begehrten Schmucksteinen und Materialien für die Herstellung von Schnitzereien. Er geht auf ausfließendes Harz von Nadelbäumen zurück, das im Boden angereichert, fortgeschwemmt und in Sedimenten abgelagert wurde, in denen es sich im Fossilisationsprozess verfestigte. Das Entstehungsgebiet lag vermutlich im Bereich von Russland, Finnland bis nach Dänemark und Deutschland. Aus der Bernstein führenden Sedimentschicht („Blaue Erde“) in den Tiefen der Ostsee gelangt immer wieder Bernstein an die Küste. Mancherorts liegen die betreffenden Sedimente oberflächennah auf dem Festland und ermöglichen eine effiziente Gewinnung von Bernstein im Tagebau. Für Biologen sind vor allem die in Bernstein eingeschlossenen Tiere (Spinnen, Insekten, Tausendfüßer u.a.), aber auch Blätter und Pflanzenteile wertvoll. Sie sind einmalige „Ganzkörperpräparate“, die eine mikroskopische Untersuchung ermöglichen. Heute kommen dabei auch computertomographische Methoden unter Nutzung hochenergetischer Röntgenstrahlung zum Einsatz, um verborgene, innere Strukturen zu erfassen. Mit einem Alter zwischen 40 bis 54 Millionen Jahren gewährt der Baltische Bernstein Einblick in das Eozän. Insbesondere erlauben die Inklusen Einblick in frühere Ökosysteme. Der Nachweis von Termiten wie der hier gezeigten †Reticulitermes minimus belegt, dass damals im nördlichen Europa tropische bis subtropische Verhältnisse geherrscht haben. Das Eozän, das „Zeitalter der Morgenröte“, ist besonders spannend, weil es damals, rund 10 Millionen Jahre nach dem großen Massensterben am Ende der Kreidezeit, zur Entfaltung der Säugetiere und der Vögel kam, also zu der Welt, wie wir sie heute kennen.

Eozän – Am Beginn unserer Welt heißt entsprechend die aktuelle Sonderausstellung, die bis zum 23. Januar 2022 im Zoologischen Museum Hamburg zu sehen ist (http://hamburg.leibniz-lib.de/ausstellungen/museum-zoologie/eozaen/digital.html). Das Zoologische Museum gehört ebenso wie das Mineralogische und das Geologisch-Paläontologische Museum in Hamburg seit dem 1. Juli 2021 zum Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB). Bis dahin waren die drei Museen im Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität zusammen gefasst. Der Zusammenschluss des CeNak und des Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn im LIB folgte auf die positive Entscheidung der Leibniz-Gemeinschaft und der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (vgl. S. 332). [Photo Geologisch-Paläontologisches Museum Hamburg]

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