Der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) wurde von der Loki Schmidt Stiftung zur Blume des Jahres 2021 gewählt. Damit soll auf die negativen Folgen einer Intensivierung der landwirtschaftlichen Flächennutzung aufmerksam gemacht werden. Beim Großen Wiesenknopf handelt es sich um ein zur Familie der Rosaceae zählendes Staudengewächs mit kräftigem, kurzem Rhizom. Während der Wachstumszeit bildet er zunächst eine bodenständige Rosette, aus der zwischen Juni und September bis zu 90 cm hohe, beblätterte Blütenstiele mit jeweils einem einzelnen Blütenstand entspringen. Die Blüten sind stiellos und stehen sehr eng beieinander, so dass die Form einem Knopf ähnelt. Ihre „Blütenblätter“ sind dunkel braunrot gefärbt und werden ausschließlich vom Kelch gebildet, die Kronblätter sind vollständig reduziert. Früher wurde S. officinalis zur Blutstillung und Wundbehandlung eingesetzt – eine Eigenschaft, auf die nach der Signaturenlehre die Blütenfarbe einen Hinweis gab.

Der große Wiesenknopf gedeiht auf feuchten bis nassen Wiesen und ist eine Charakterart der Sumpfdotterblumenwiese (Calthion palustris). In diesem Lebensraum ist er gegenüber anderen, grundsätzlich konkurrenzstärkeren Arten im Vorteil, da er temporäre Überflutungen toleriert. Der Erhalt dieses Wiesentyps ist jedoch an eine extensive Nutzung als Weide oder Mähwiese mit ein- oder zweischüriger Mahd gebunden – eine wenig ertragreiche Form der Bewirtschaftung, die heute kaum noch Bedeutung hat. Aus diesem Grund verschwinden Feuchtwiesen mehr und mehr: Entweder werden sie intensiver genutzt (z. B. durch häufigeres Mähen) oder ganz brachfallen gelassen. Beides führt zur Verdrängung der ursprünglichen Pflanzengemeinschaft, entweder durch raschwüchsigere Gräser und Kräuter oder durch aufkommendes Buschwerk, und in der Folge zum Verlust der von den ursprünglichen Arten abhängigen Fauna. So ist beispielsweise die Existenz der beiden gefährdeten Falterarten Heller und Dunkler Wiesenknopfameisenbläuling (Maculinea teleius bzw. Maculinea nausithous) strikt an das Vorkommen des Großen Wiesenknopfs gebunden, auf dessen Blüten die Eiablage stattfindet; sie dienen den frisch geschlüpften Raupen in den ersten 10 bis 18 Tagen als Nahrung. Aufgrund dessen ist hier das Vorhandensein der Wirtspflanze alleine nicht ausreichend, sie muss auch blühen. Die Mahd darf daher nicht kurz vor oder im Zeitraum der Eiablage stattfinden, so dass der Schutz der Falter eine nur einschürige Mahd ab Anfang September voraussetzt. [Photo Julian Denstorf/ Loki Schmidt Stiftung Hamburg. Weitere Informationen: loki-schmidt-stiftung.de]

Angela Wüstenhagen, Stuttgart