Erst in den 1930er Jahren erkannten die Zoologen, dass sich hinter dem von Carl von Linné als Homo troglodytes („höhlenbewohnender Mensch“) beschriebenen Schimpansen zwei Arten verbergen, der „Gemeine Schimpanse (Pan troglodytes) und der Bonobo (Pan paniscus). Auch wenn die Verkleinerungsform „paniscus“ es nahelegt: Der Bonobo steht dem Schimpansen in der Größe kaum nach. Beide, uns nächstverwandte Arten, stehen im Mittelpunkt unzähliger Untersuchungen. Bahnbrechend waren die Feldforschungen zum Verhalten freilebender Schimpansen in Tansania, mit denen Jane Goodall in den 1960er Jahren Aufsehen erregte. Sie beobachtete verblüffende Verhaltensweisen, die wir zuvor nur vom Menschen kannten, und weitete damit auch den Blick auf uns selbst. Insbesondere inspirierte sie junge – vor allem weibliche – Primatologen, ähnliche Studien zu betreiben. Von besonderem Wert ist der Vergleich zwischen Schimpanse und Bonobo. Das Vorkommensgebiet des Bonobo ist auf den Tieflandregenwald Zentralafrikas beschränkt, wo er südlich des in einem (umgekehrt) U-förmigen Bogen fließenden Kongo in der Demokratischen Republik Kongo vorkommt. Der mächtige Strom bildet nach Norden, Westen und Osten eine natürliche Barriere, die Schimpansen nicht überwinden können, die ein sehr viel weiteres Verbreitungsgebiet haben und sich im Gegensatz zum Bonobo in mehrere Unterarten differenziert haben.
Anders als Schimpansen, die vielerorts ihren Lebensraum mit Gorillas teilen, sind Bonobos die einzigen Menschenaffen in den Wäldern südlich des Kongoflusses, woraus sich einige ihrer verhaltensbiologischen Besonderheiten erklären. Seit dem Jahr 2002 unterhält die Max- Planck-Gesellschaft in der Nähe des Salonga- Nationalparks eine Forschungsstation. Durch die langjährigen Beobachtungen ist das Forschungsteam mit den individuellen Schicksalen der Bonobos vertraut.
Das Portrait zeigt den erwachsenen Bonobo- Mann „Emil“. Seine Mutter „Eva“ gehörte über Jahre zu den dominanten Persönlichkeiten der Gruppe, wodurch auch er in einer privilegierten Position war. Nach ihrem spurlosen Verschwinden änderte sich sein Leben dramatisch, denn Bonobo-Männer, die keine Mutter in der Gruppe haben, müssen ohne soziale Unterstützung auskommen. Sie haben in der Gruppe auch einen geringeren Fortpflanzungserfolg als „Muttersöhne“ (zum Beitrag S. 117). [Photo Sean Lee/LKBP]

Rd