Geburtstagsjubiläen

 

Vor 100 Jahren

 

Am 12. Mai 1921 wurde Andrei Dmitrijewitsch Sacharow in Moskau geboren. Der Physiker gilt als „Vater der sowjetischen Wasserstoffbombe“, doch in Erinnerung geblieben ist er vor allem als Dissident und Friedensnobelpreisträger des Jahrs 1976. 1938 hatte er sein Physikstudium an der Lomonossow-Universität in Moskau aufgenommen und meldete sich 1939 freiwillig zur Roten Armee. Sein Studium schloss er in Aschgabat, der Hauptstadt Turkmenistans, ab. Sacharow arbeitete von 1942 bis 1945 in einer Munitionsfabrik in Uljanowsk an der Wolga und setzte sein Studium am Lebedew-Institut der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften fort, wo er sich mit der kosmischen Strahlung beschäftigte und 1947 promoviert wurde. Von 1948 bis 1968 war er am sowjetischen Kernwaffenprogramm beteiligt (Wasserstoffbombe 1953). Er widmete er sich aber auch der friedlichen Nutzung der Kernfusion und entwickelte zusammen mit Igor Tamm das Tokamak-Konzept für einen Fusionsreaktor. Sacharow hatte hohe sowjetische Orden erhalten, ging aber Ende der 1960er Jahre auf Distanz zum Staat und engagierte sich ab 1969 in der Menschenrechtsbewegung. Anfang 1980 wurde er nach Gorki verbannt, wo er bis Ende 1986 leben musste. Nach der Rehabilitation durch Michail Gorbatschow lebte er in Moskau, wo er am 14. Dezember 1989 einem Herzversagen erlag.

 

https://history.aip.org/history/exhibits/sakharov/

Internet-Ausstellung des Center for History of Physics (American Institute of Physics)

 

Vor 200 Jahren

 

Am 31. August 1821 wurde Hermann Ludwig Ferdinand Helmholtz (ab 1883 von Helmholtz) in Potsdam geboren. Trotz großem Interesse an Physik absolvierte er am Medizinisch-chirurgischen Friedrich- Wilhelm-Institut (Pépinière) in Berlin ein Medizinstudium und wurde mit einer Arbeit über Nervenfasern und ihren Ursprung in Ganglienzellen bei dem Physiologen und vergleichenden Anatomen Johannes Müller promoviert. Um beruflich voranzukommen, verpflichtete er sich 1843 zu einem achtjährigen Militärdienst, wurde aber 1848 auf Empfehlung Alexander von Humboldts entlassen und nahm 1849 einen Ruf als Professor für Physiologie in Königsberg an. Es folgten Professuren in Bonn und Heidelberg, ehe er 1870 in Berlin Ordinarius für Physik wurde. Er gehörte zu den vielseitigsten Forschern seiner Zeit und widmete sich theoretischen wie praktischen Fragestellungen (Dreifarbentheorie des Sehens, Resonanztheorie des Hörens, Abhandlung zur Thermodynamik chemischer Vorgänge, Augenspiegel zur Betrachtung des Augenhintergrundes u. a.). Zusammen mit Werner von Siemens und Wilhelm Foerster initiierte er die Gründung der Physikalisch-Technischen-Reichsanstalt, deren erster Präsident er 1888 er wurde. Er starb am 8. September 1894 in Berlin.

 

https://www.helmholtz.de/ueber-uns/die-gemeinschaft/geschichte/hermann-von-helmholtz/

Seite der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren mit einer kurzen Würdigung und einer Schrift aus dem Nachlass mit Transkription

 

https://www.deutsche-biographie.de/sfz70096.html

Biographie und wissenschaftliche Würdigung, verfasst von dem Physiker Walter Gerlach (1889-1979).

 

Rudolf Ludwig Carl Virchow wurde am 13. Oktober 1821 in Schivelbein (Hinterpommern) geboren und studierte wie Helmholtz an der Pépinière in Berlin, wo er unter Johannes Müller 1843 mit einer Arbeit über Rheumatismus promoviert wurde. 1846 begründete er mit Benno Reinhardt eine Schriftenreihe zur pathologischen Anatomie und Physiologie (heute Virchows Archiv). Bereits ein Jahr später wirkte er als Privatdozent in Berlin, doch führte seine Beteiligung an der Märzrevolution 1848 zu seiner Amtsenthebung. Er folgte einem Ruf nach Würzburg, wo er von 1849 bis 1855 ein modernes medizinisches Forschungsinstitut aufbaute. 1856 wurde er auf den neueingerichteten Lehrstuhl für Pathologie und Therapie der Berliner Friedrich-Wilhelms- Universität berufen. Weltberühmt wurde er durch sein 1858 veröffentlichtes Werk zur Zellularpathologie. Zudem wirkte er als Sozialmediziner und Hygieniker (1848 Untersuchungen zur Fleckfieber- Epidemie in Oberschlesien, 1874 Planung von Rieselfeldern zur Abwasserreinigung) und äußerte sich zu politischen und wissenschaftlichen Fragen. Berühmt wurden seine Auseinandersetzungen mit Ernst Haeckel auf Versammlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Nach einem Sturz beim Verlassen der elektrischen Straßenbahn verstarb er am 5. September in Berlin.

 

https://www.dhm.de/lemo/biografie/rudolf-virchow

Kurzbiographie Lebendiges Museum Online der Stiftungen Deutsches Historisches Museum (Berlin)/Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Bonn).

 

https://www.bmm-charite.de/museum/kurze-biographie-von-rudolf-virchow.html

Kurzbiographie des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité.

 

https://www.hu-berlin.de/de/ueberblick/geschichte/rektoren/virchow

Seite der Humboldt-Universität zu Berlin, knappe Skizze seines Wirkens in Berlin, mit ausgewählten Schriften.

 

https://www.pathologie.uni-wuerzburg.de/geschichte/virchow-in-wuerzburg/persoenliches/

Seite des Pathologischen Instituts der Universität Würzburg, die Licht auf sein frühes Wirken und seine Persönlichkeit wirft, u. a. mit lebendigen Schilderungen Ernst Haeckels.

 

http://www.numdam.org/article/PHSC_1998-1999___S2_211_0.pdf

War Rudolf Virchow ein Gegner der Evolutionstheorie? Klaus Wenig (Berlin- Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) in Philosophia Scientia, Cahier Spécial 2, 211 (1998/99).

wüha/Rd