Arzneimittel sind ein wahrer Segen für die Medizin. Allein was heute als banale Infektion gilt, war in früheren Zeiten lebensbedrohlich. Seit jeher waren es außergewöhnliche Männer und Frauen, die Wesentliches zur Entwicklung von Medikamenten beigetragen haben und zu Recht als Leuchttürme der Wissenschaft gelten. Genau diesen widmet sich das vorliegende Buch, verfasst von zwei Grandseigneurs ihres Fachs, dem Pharmakologen Ernst Mutschler, Begründer eines nun in der 11. Auflage vorliegenden Lehrbuchs Arzneimittelwirkungen und ehemals Professor an der Universität Frankfurt, und Christoph Friedrich, Professor für Geschichte der Pharmazie an der Universität Marburg. Den 66 Biographien herausragender Arzneimittelforscher (selbstredend zählen dazu auch Forscherinnen von Gertrude Elion bis zu Tu Youyou), mit deren OEuvre man auf kurzweilige und informative Weise vertraut gemacht wird, merkt man die Souveränität der Autoren an. Der prägnanten Kurzbiographie folgen – auch für einen Fachfremden – sehr gut verständliche Erläuterungen der chemischen Zusammenhänge, ebenso wird auf die Umstände von Entdeckungen und die Gründe ihrer weitreichenden Bedeutung eingegangen. Zur Auflockerung tragen Geschichten hinter der Geschichte bei, also Anekdoten und so manche Legende. Sehr hilfreich sind die Querverweise, die es erleichtern, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Entdeckungen herzustellen. Besonders erfreulich ist, dass die beiden Autoren auch manche „vergessene“ Wissenschaftler würdigen! Nicht selten wird eine Person bei einer Entdeckung in den Vordergrund gerückt, oft genug verbergen sich aber im Hintergrund weitere Persönlichkeiten, deren Arbeit es genauso Wert ist, ins Schaufenster der Wissenschaft gestellt zu werden. Den Autoren ist bewusst, dass ihre Auswahl subjektiv bleiben musste, um den Rahmen nicht zu sprengen. Sie ist ihnen hervorragend gelungen: Neben den allgemein bekannten Großen von Koch über Ehrlich, Behring, Fleming, Domagk und Djerassi sind auch all jene berücksichtigt, die eher Fachleuten ein Begriff sind, wie Sabin, Salk, Sanger, Gilman oder Vane. Insgesamt ist es eine perfekte Auswahl jener, die für unsere heutigen Diagnosen und Therapien Grundlegendes geleistet haben. Ein Sach- und Personenregister am Ende erschließt den lexikalischen Wert der „Leuchttürme“ und machen das Buch nicht zuletzt durch die hinter jeder Personenvorstellung aufgeführten Übersichtsarbeiten zu einem Meisterwerk der neueren Medizin- und Pharmaziegeschichte. Chapeau! – Dieses gelungene und wertvolle Buch ist uneingeschränkt allen zu empfehlen, die sich die Liebe zu analog präsentierter Geschichte erhalten haben.

Univ.-Prof. Dr. med. Roland Sedivy, Pathologe der Barmherzigen Schwestern Wien

 

bestellen: Ernst Mutschler, Christoph Friedrich: Leuchttürme – Erfolgreiche Arzneimittelforscher im 20. Jahrhundert