Perseverance: Ein wenig geläufiges Wort ist es, das wir in den Nachrichten der letzten Zeit mitsamt Übersetzungshilfe zu hören bekommen. Es ist der Name eines Rovers, mit dem die NASA die Erkundung des Mars fortsetzt. Als fahrendes Labor knüpft Perseverance an drei frühere Rover mit klangvollen Namen an. Nach Spirit und Opportunity, die 2003 auf unserem Nachbarplaneten landeten, kam 2011 Curiosity hinzu. Treffender kann man die Namen für derartige Vehikel kaum wählen: Ohne Forschergeist und den unbedingten Willen, jede Gelegenheit zu ergreifen, um die Neugier zu stillen, geht es nicht – und bei allem sind auch Beharrlichkeit und Ausdauer vonnöten, woran der Name des neuesten Rovers erinnert. Denn auch wenn bei der aktuellen Mission bislang alles scheinbar mühelos klappte, selbstverständlich ist dies keineswegs. Perseverance ist ein über eine Tonne wiegendes, drei Meter langes und fast ebenso breites Fahrzeug auf sechs Rädern, gespickt mit den neuesten Messinstrumenten, um alle erdenklichen geologischen, physikalischen, meteorologischen und chemischen Untersuchungen vornehmen zu können. 19 Kameras liefern Bilddaten aus unterschiedlichster Perspektive, zwei Mikrophone bringen uns Mars auch akustisch näher, und eine neuartige Bohreinrichtung wird Gesteins- und Bodenproben entnehmen und in Behältnisse abfüllen. Späteren Missionen bleibt es vorbehalten, sie zur Erde zurück zu transportieren. Eine absolute Neuheit ist der mitgeführte Mini-Helikopter, mit dem man Flugerfahrungen in der extrem dünnen Marsatmosphäre sammeln will. Kein Zweifel: Die USA haben mit ihrer NASA Mission Mars 2020, in deren Rahmen Perseverance konzipiert wurde, unseren Nachbarplaneten fest im Visier. Ziel ist letztlich, auch eine bemannte Marsmission vorzubereiten.

Doch es gibt auch andere Akteure. Im Juli vergangenen Jahres wurde nicht nur Perseverance auf seine Reise geschickt, auch die Vereinigten Arabischen Emirate starteten von dem japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima einen eigenen Satelliten, Al-Amad bzw. Hope genannt. Er umkreist seit dem 9. Februar den Mars, um dessen Klima und Atmosphäre zu erkunden. Das Forschungsprogramm verdankt sich der Kooperation mit Wissenschaftlern, die am Bau der ähnlichen NASA-Sonde MAVEN beteiligt waren, denn die Föderation der Emirate verfügt zwar über die finanziellen Mittel, aber (noch) nicht über das Know-how, um ein solches Projekt binnen weniger Jahre auf die Beine stellen zu können. Weit ambitioniertere Ziele verfolgt China mit der SondeTianwen-1, die ebenfalls im Juli 2020 ins Weltall geschickt wurde. Sie schwenkte nur einen Tag später als Hope in den Marsorbit ein und erkundet seitdem die Oberfläche unseres äußeren Nachbarn, um im Mai einen Lander mit Rover abzusetzen.

Wie immer bei derartigen Vorstößen in ferne Welten stellt sich die Frage: Gibt es nicht auf der Erde genügend Aufgaben, die mit ebensolcher Ausdauer und Beharrlichkeit zu verfolgen wären? Und wie immer wird man zustimmen und zugleich antworten müssen, dass es Neugierde, die Freude an der Überwindung selbstgestellter Herausforderungen und Forschergeist sind, die zu derart fernen Unternehmungen motivieren. Wobei wir im Falle des in vielerlei Hinsicht erdähnlichen Mars schon aufhorchen und doch wissen wollen, ob sich auf ihm Spuren des Lebens finden. Diese viele Menschen faszinierende Frage, die unser Selbstverständnis berührt, steht daher auch an vorderster Stelle bei der Erforschung des Roten Planeten.

Daneben gibt es auch ganz handfeste Interessen: Weltraummissionen bieten die Möglichkeit, den Handlungsspielraum über enge nationale Grenzen hinaus zu erweitern, und sie machen die beteiligten Unternehmen zu Innovationsschmieden, deren Erfindungen wiederum unseren Alltag auf Erden verändern. Kurz: Raumfahrtmissionen versprechen Einfluss, Macht und Prestige. Sie bezeugen eindrucksvoll wissenschaftlich- technologische Kompetenz.

Wie bei allen Dingen, die Menschen mit hohem Einsatz vorantreiben, ist also auch bei der Raumfahrt eine Gemengelage an Motiven auszumachen. Nicht zuletzt kommt ein emotionales Moment hinzu, die Aussicht auf ein weiteres großes Menschheitsabenteuer. Doch so faszinierend die Vorstellung ist, sich auf dem Mars selbst umzusehen, wohl kaum einer wird langfristig ein Leben auf dem Mars einem Leben auf der Erde vorziehen. Selbst abenteuerlustige Menschen, wie die Physikerin Christiane Heinicke, die ein Jahr auf Hawaii in einem marsähnlichen Experimentalhabitat verbrachte, äußerte nach ihrer „Rückkehr“, sie sei stärker denn je überzeugt, dass die Bewohnbarkeit unseres Heimatplaneten erhalten bleiben müsse. Die Einmaligkeit unseres Planeten wird uns mit jedem Kilometer, den wir uns von ihm entfernen, immer stärker bewusst. Es ist wohl kein Zufall, dass sich gerade bei Weltraummissionen das Bedürfnis artikuliert, sich dieser Beheimatung zu vergewissern und sie auch zu bekunden. Etwa, indem man ideelle Brücken zu anderen Menschen schlägt, mit denen man seine irdische Existenz teilt. So ist auch Perseverance eine Art Botschafter der Menschheit. Er trägt eine Plakette mit eingravierten Namen von über zehn Millionen Personen, denen die NASA die Möglichkeit gab, auf diese Weise Teil des Projekts zu werden. Und nicht zuletzt darf an den eingangs nicht erwähnten ersten Mars-Rover Sojourner erinnert werden, der 1997 im Rahmen der Pathfinder-Mission 1997 auf dem Mars landete, eine Reverenz an Sojourner Truth (1797 – 1883), die als ehemalige Sklavin, Wanderpredigerin und Frauenrechtlerin Teil der vielfältigen Kultur der USA ist.

Klaus Rehfeld