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Titelbild NR 5/2018 – Lepidodendron, Fossil des Jahres 2018. Mit der Auslobung „Fossil des Jahres“ greift die Paläontologische Gesellschaft (www.palges.de) seit 2007 die Jahresaktionen auf, mit denen Naturschutzverbände seit langem an die Öffentlichkeit treten. Auch bei dem „Fossil des Jahres“ geht es darum, ein Bewusstsein für den Wert und die Schutzwürdigkeit des natürlichen Erbes zu schaffen. Mit Lepidodendron fiel die Wahl auf eine ästhetisch reizvolle und dazu wissenschaftlich und wirtschaftlich besonders wichtige Gattung baumförmiger Bärlappgewächse (Lycopsidae).
Lepidodendron war vor etwa 320 bis 300 Millionen Jahren in Europa und Nordamerika weit verbreitet. Der Name Lepidodendron, Schuppenbaum, verweist auf die rautenförmigen Blattnarben auf der Oberfläche der Stämme und Äste, die an Fischschuppen erinnern. Zusammen mit anderen baumförmigen Lycopsiden wuchsen Schuppenbäume an feuchten bis sehr feuchten Standorten. Sie waren dominant in den ausgedehnten Sumpfwäldern des Oberkarbons und lieferten bis zu 80 bis 90% der Biomasse, die später in Steinkohle umgewandelt wurde. Treffend ist daher, dass Lepidodendron als Fossil des Jahres im Ruhr Museum Essen – Zeche Zollverein vorgestellt wurde: Auch wenn der Abbau von Steinkohle in vielen Ländern bereits ein abgeschlossenes Kapitel ist (in Deutschland wird er Ende des Jahres eingestellt), bleibt Steinkohle untrennbar mit der Industrialisierung verbunden.
Schuppenbäume konnten eine Höhe von über 40 Metern erreichen. Die als Stigmaria beschriebenen Wurzelsysteme bestanden aus vier flach ausgebreiteten, sich mehrfach gabelig verzweigenden Achsen, die rund herum schlauchförmige Organe trugen, die die Wurzelfunktion übernahmen. Die Krone setzte sich aus mehrfach gabelig verzweigten Achsen zusammen; die Blätter der Stämme waren sehr schmal, lang und steif, die der Endverzweigungen nadelförmig. Die an den Seitenachsen ansitzenden Zapfen waren wenige Zentimeter bis gut einen Meter lang. Eine andere, weit verbreitete baumförmige Lycopside war Sigillaria, der Siegelbaum (mit sechseckigen Blattnarben), der keine echte Baumkrone besaß und nur 10 bis 20 m Höhe erreichte. Die Stämme der baumförmigen Lycopsiden bestanden zum größten Teil aus Rindengeweben, der Holzanteil war dagegen nur sehr gering ausgebildet. Die äußere Rinde konnte beim Dickenwachstum des Stammes allerdings nicht mitwachsen und platzte ab. Die Gattungen Lepidodendron und Sigillaria wurden bereits Anfang des 19. Jahrhunderts anhand ihrer Stammabdrücke mit Blattnarben beschrieben. Da die einzelnen Teile und Organe fast immer isoliert und praktisch niemals zusammenhängend gefunden werden, wurden sie zu separaten Gattungen gestellt. Erst später gelang es, den Zusammenhang der Teile bzw. Organe zu rekonstruieren. Dennoch werden die Namen immer noch für einzelne Bestandteile wie Wurzelsysteme, Stämme, Entrindungsstadien der Stämme, Blätter, Zapfen und Sporen verwendet. [Lepidodendron crenatum, Goldfuß-Museum, Universität Bonn. Photo G. Oleschinski, Bonn]

 wüha/rd

     
   
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Mit dem im März dieses Jahres verstorbenen Astrophysiker und Mathematiker verließ uns der weltweit bekannteste Wissenschaftler der neueren Zeit. Anknüpfend an die Großen seines Faches, an Newton und Einstein, beschäftigte sich Hawking mit den tiefsten Fragen der Menschheit, die er einem großen Publikum zu vermitteln verstand: Wie ist der Kosmos entstanden? Was ist Zeit und wie kam sie in die Welt? Was sind die Folgerungen der Allgemeinen Relativitätstheorie? Die Popularität Hawkings beruht auf seine Begeisterungsfähigkeit, seinem Lebensmut und seiner Genialität, die sich gleichsam triumphierend über seine körperlichen Leiden erhoben. Rüdiger Vaas hat Hawkings wiederholt bei Fachtagungen getroffen und gibt in seiner Würdigung auch einen Einblick in die Gedankenwelt dieses ungewöhnlichen Menschen, dessen Ideen uns weiter beschäftigen werden.

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Zur historischen und ethischen Problematik der Humanexperimente – Zwischen Nutzen, Macht und Risiko 

Wissenschaftliche Neugier und zu­gleich der Wunsch, menschliches Leid zu lindern oder abzuwenden, sind bis heute wesentliche Triebfedern, den Menschen zum Forschungsobjekt zu machen. Und tatsächlich profitieren wir alle von Untersuchungen an menschlichen Probanden, insbesondere bei der Erprobung von Arzneistoffen oder Behandlungsmethoden in der Medizin. Doch es spielen auch andere Motive eine Rolle, wie wissenschaftlicher Ehrgeiz, Gewinn- und Machtstreben oder ideologische Verblendung. Historische Fälle, aber auch Humanexperimente aus jüngerer Zeit, zeichnen ein ambivalentes Bild. Sie gemahnen Humanexperimente stets kritisch zu begleiten.

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