Buch-Tipps & Buchbesprechungen

     

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Jürgen Fischer, Daniela Steinlechner, Andreas Zehm, Dominik Poniatowski, Thomas Fartmann, Armin Beckmann, Christian Stemmer:
Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols. Bestimmen – Beobachten – Schützen.
Quelle & Meyer. Wiebelsheim 2016. 300 S., über 1000 Abb., 4 Tab., 85 Verbreitungskarten.
€ 24,95 / sFr. 31,90
 

ISBN 978-3494016702

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Harald Lesch, Christian Kummer:
Wie das Staunen ins Universum kam.
Patmos Verlag. Ostfildern 2016. 190 S., zahlr. Abb., € 17,99/sFr. 26,90
 

ISBN 978-3843607230

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T. Hammer, I. Mose, D. Siegrist, N. Weixl­baumer (Hrsg):
Parks of the Future!
Protected Areas in Europe Challenging Regional and Global Change.
Oekom Verlag. München 2016. 280 S., € 29,95/sFr. 39,90

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ISBN 978-3-86581-765-5

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T. Junker:
Die verborgene Natur der Liebe.
Sex und Leidenschaft und wie wir die Richtigen finden.
C.H. Beck. München 2016. 272 S.,
€ 19,95/sFr. 28,90
 

ISBN 978-3-406-69789-0

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E. Karkoschka:
Atlas für Himmelsbeobachter
– Die 250 schönsten Deep-Sky-Objekte am Nord- und Südhimmel.
Franckh-Kosmos. Stuttgart 2016. 160 S., 300 Fotos und Zeichnungen, € 19,99/sFr. 26,90
 

ISBN 978-3440151471
 

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Redaktion Der Falke (Hrsg.):
Der Falke Taschenkalender für Vogelbeobachter.
Mit Beiträgen von P. H. Bartel, v. Dierschke, W. Fiedler, H.-J. Fünfstück, A. Helbig (†). Aula-Verlag. Wiebelsheim 2016. 256 S., € 7,90 / sFr. 9,90
 

EAN 9783891048054

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H. Satz:
Kosmische Dämmerung.
Die Welt vor dem Urknall.
C.H. Beck. München 2016. 188 S., zahlr. Abb., € 19,95/sFr. 28,90
 

ISBN 978-3406697876

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Buchbesprechungen

   

 

Jürgen Fischer, Daniela Steinlechner, Andreas Zehm, Dominik Poniatowski, Thomas Fartmann, Armin Beckmann, Christian Stemmer:
Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols.

Heuschrecken sind eine beliebte Tiergruppe bei vielen an Freilandbiologie interessierten Zeitgenossen. Das hat sicher mehrere Ursachen. Sie besitzen eine für Insekten ganz anständige Körpergröße, die Zahl der Arten ist handhabbar, weder unüberschaubar groß noch langweilig klein, und sie kommen fast überall vor, selbst mitten in Großstädten. Außerdem werden sie oft als Zeigerarten bei ökologischen Untersuchungen verwendet, und sie besitzen interessante Verhaltensweisen wie z.B. ihre allgemein bekannten Gesänge. All das hat dazu beigetragen, dass schon seit längerer Zeit in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Bücher über die deutsche Heuschreckenfauna (und die benachbarter Gebiete) erschienen sind. Diese Publikationen waren (und sind) jeweils den technischen Möglichkeiten der Zeit entsprechend ausgestattet. Eines der bekanntesten Nachkriegswerke (Harz 1957) war mit Farbtafeln und Strichzeichnungen des Autors versehen. Mit Büchern wie dem von Bellmann (1985) hielt dann die Farbphotographie Einzug in die Bestimmungsliteratur. Einige Zeit später begann mit Detzels Buch (1998) die Reihe der bundeslandbezogenen Heuschreckenbände, die als Neuigkeit typischerweise detaillierte Verbreitungskarten enthielten. In der übrigen, reichhaltigen Ausstattung mit Farbphotos der verschiedenen Arten und ihrer Lebensräume änderte sich wenig.
Das hier vorliegende Buch Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols, das von sieben Autoren verfasst wurde, geht jetzt einen Schritt weiter. Es nutzt intensiv die Möglichkeiten der digitalen Makrophotographie und Bildverarbeitung. Die zur Bestimmung wichtigen Merkmale werden in hervorragenden Detailaufnahmen dargestellt. Unterschiede werden photographisch so gut sichtbar gemacht wie es vorher nur mit Zeichnungen möglich war. Diese Spezialphotos werden dann graphisch mit Habitusaufnahmen der entsprechenden Art verbunden. Hier ist das Buch meines Wissens im deutschen Sprachraum unübertroffen. Im benachbarten, französisch-sprachigen Ausland verfolgen Sardet et al. (2015) einen ähnlichen Weg, vertrauen aber noch weit mehr auf Zeichnungen und Hinweispfeile in den Photographien. Ich persönlich – aber bisher noch ohne eigene Felderfahrung damit – habe eine leichte Bevorzugung der vollständigen Photodokumentation.
In der übrigen Ausstattung erreicht das Buch den für diese Klasse von Bestimmungsbüchern üblichen hohen Standard. Es werden alle im Gebiet vorkommenden Arten behandelt (jede Art mit separaten Abschnitten Merkmale, Verbreitung und Lebensraum, Entwicklung und Phänologie, Gesang, Besonderheiten, Literatur) und es werden auch Verbreitungskarten dargestellt (wenn auch, dem Buchformat geschuldet, etwas klein). Dazu kommen ausführliche Abschnitt zur Biologie der Gruppe, zu Gefährdung und Schutzstatus der einzelnen Arten und zu weiteren Aspekten sowie ein ganze Reihe von Bestimmungsschlüsseln (zum Teil sogar herausnehmbar für den einfachen Einsatz im Feld: „Schnellbestimmungskarte"“). Nur der Gesang wird im Vergleich etwa zu Sardet et al. (2015; mit CD) etwas stiefmütterlich behandelt, was mir als Bioakustiker natürlich besonders auffällt. Es gibt zwar eine ungewöhnlich detaillierte Tabelle der tageszeitlichen Verteilungen der akustischen Aktivität, aber weder Oszillogramme noch Tonaufnahmen. Aber zum Kennenlernen der Gesänge sind andere Medien sowieso besser geeignet als ein bebildertes Buch.
Zusammengefasst gesagt handelt es sich um ein ausgezeichnetes Bestimmungsbuch mit einzigartiger Ausstattung, preisgünstig durch die Unterstützung und Herausgabe von der Bayrischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL).

[K. Harz: Die Geradflügler Mitteleuropas. Gustav Fischer Verlag. Jena 1957.
H. Bellmann: Heuschrecken: beobachten - ­bestimmen. Neumann Neudamm Verlag. ­Melsungen 1985.
P. Detzel: Die Heuschrecken Baden-­Württembergs. Ulmer Verlag. Stuttgart 1998.
E. Sardet, C. Roesti, Y. Braud: Cahier d'identification des orthoptères de France, ­Belgique, Luxembourg et Suisse. + CD Audio. ­Biotope Editions. Mèze 2015]


Dr. habil. Klaus-Gerhard Heller, Magdeburg
 

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Harald Lesch, Christian Kummer:
Wie das Staunen ins Universum kam.

Ein Buch mit dem Titel „Wie das Staunen ins Universum kam“, geschrieben von Naturwissenschaftlern, weckt die Neugier. Immerhin stehen im Mittelpunkt eher philosophische Fragen: Was ist Staunen überhaupt? Worüber kann man staunen? Gleich zu Beginn räumen die Autoren mit dem Vorurteil auf, man würde über das Unverstandene staunen. Vielmehr bringt uns das Erkannte, Verstandene zum Staunen, womit bestaunte Phänomene in den Bereich des empirisch Fassbaren rücken. Etwas vereinfacht gesagt behandelt das Buch Vorgänge und Zusammenhänge, über die die Autoren – ein Physiker und ein Biologe – staunen (können), obwohl sie sie nach dem Stand der Forschung verstehen. Das ist die Entstehung des Universums, unseres Sonnensystems, der Erde und des Lebens. Als Aufhänger dient dabei eine Blütenpflanze, die Blaue Traubenhyazinthe, der sich die Autoren von zwei Seiten „wie Tunnelbauer“ nähern. Der Botaniker, Naturphilosoph und Jesuit Christian Kummer stellt die Evolution der Blüte und der pflanzlichen Fortpflanzungsstrategien in den Mittelpunkt, von wo er sich bis zur Entstehung des Lebens vor-(oder besser zurück-)tastet. Der Astrophysiker Harald Lesch beschreibt die Entstehung unserer Galaxie und der Erde, die die Evolution des Lebens möglich machte.
Kummer und Lesch sind Freunde, lehren beide am Institut für Naturphilosophie der Jesuitenhochschule in München und schreiben das Buch als gläubige Christen. Unwillkürlich fragt man sich, ob das gut gehen kann, ob hier die „harten“ Naturwissenschaften und der christliche Glaube vermischt werden, gerade weil das Buch in einem Verlag erschienen ist, der sich auf die Themen Psychologie und Religion spezialisiert hat. Als ahnten sie dies, erteilen beide Autoren gleich zu Beginn allen Gedanken zum Kreationismus und Intelligent Design eine klare Absage. Nach einer mehr oder weniger gemeinsam verfassten Einführung ist das Buch anschließend zweigeteilt in das „Staunen des Biologen“ und das „Staunen des Physikers“.
Der biologische Teil erschien der Rezensentin detaillierter und fachspezifischer als der physikalische. Sie erfuhr darin – obwohl selber Biologin – mehr Neues, beispielsweise über die Evolution der pflanzlichen Geschlechtsorgane und des Generationswechsels und hatte mehr Aha-Erlebnisse, als im zweiten Teil. Da das Buch aber hauptsächlich für Laien geschrieben wurde und die Physik meist auf diese Zielgruppe abschreckender wirkt als die vermeintlich „weiche“ Biologie, war das vielleicht Absicht. Immerhin ist Harald Lesch aus zahlreichen Fernsehsendungen, öffentlichen Vorträgen und Büchern bekannt dafür, komplizierte Inhalte einfach und verständlich darzustellen. Das Buch richtet sich dementsprechend an jeden, der sich das Staunen erhalten hat, das ja gemeinhin eher mit Kindern in Verbindung gebracht wird. Angesprochen werden Leser, die ohne tiefergehende Vorkenntnisse mehr über Staunenswertes erfahren möchten und dabei lernen sollen, dass das Staunen nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse zum Schweigen gebracht, sondern vielmehr angeregt wird. Dementsprechend schreiben beide Autoren in leicht verständlicher Sprache und erklären komplizierte Zusammenhänge anschaulich. Naturwissenschaftlich gebildeten Lesern wird der Stoff größtenteils bekannt sein. Interessant kann das Buch dennoch sein, beispielsweise weil man sich für die wissenschaftliche Weltsicht von gläubigen Naturwissenschaftlern interessiert oder möglicherweise selbst zu dieser Gruppe gehört.
Das Buch bewegt sich an der Schnittstelle von Biologie, Astronomie und Philosophie. Dies wird auch verdeutlicht durch Gedichte und Literaturzitate, die hin und wieder eingestreut sind. Wichtige Aussagen sind in farbig abgesetzter Großschrift in den Fließtext eingestreut. Das Buch enthält viele farbige Photos und Abbildungen. Man merkt, dass die Autoren aus einem christlichen Glauben heraus schreiben, ohne dass dies den wissenschaftlichen Anspruch des Buches beeinträchtigt. Wie das Staunen ins Universum kam war ein Experiment und versucht etwas Neues. Herausgekommen ist ein schön gestaltetes Buch und das perfekte Geschenk für neugierige, aufgeschlossene Leser ohne vertiefte naturwissenschaftliche Kenntnisse, die sich für die Entstehung unseres Planeten und der Lebewesen darauf interessieren!

Dr. Larissa Tetsch, Maisach
 

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