Buch-Tipps & Buchbesprechungen

     

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Monika Niehaus, Andrea Pfuhl:
Die Psycho-Trojaner. Wie Parasiten uns steuern.
Hirzel Verlag. Stuttgart 2016. 238 S., 28 s/w Abb., € 24,90/sFr. 35,90
 

ISBN 978-3777626222

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H. Becker:
Die Gesteine Deutschlands: Fundorte – Bestimmung – Verwendung.
Quelle & Meyer. Wiebelsheim 2016.  328 S., 19,95/sFr. 28,90
 

ISBN 978-3494016849

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R. Evans:
Juwelen des Universums
– Die spektakulärsten Bilder aus dem All.
 Franckh-Kosmos Verlag. Stuttgart 2016. 192 S., € 39,90/sFr. 52,90
 

ISBN 978-3440152775
 

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Falke-Redaktion (Hrsg.):
Die 100 besten Vogelbeobachtungsplätze in Deutschland.
Aula-Verlag. Wiebelsheim 2016.  416 S., € 29,95/sFr. 42,90
 

ISBN 978-3891048030

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H. Güde, D. Straile:
Bodensee.
Ökologie und anthropogene Belastungen eines tiefen Voralpensees.
Limnologie aktuell, Band 15. Schweizerbart. Stuttgart 2016. [ISBN 978-3510530137] 271 S., 128 Abb., 19 Tab., € 39,90/sFr. 52,-
 

ISBN 978-3406697876

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Buchbesprechungen

   

 

Monika Niehaus, Andrea Pfuhl:
Die Psycho-Trojaner. Wie Parasiten uns steuern.

Organismen leben selten isoliert und für sich alleine. Im Verlauf der Evolution haben sich enge Lebensgemeinschaften herausgebildet, die häufig symbiontisch, manchmal aber auch parasitisch sind. Das gilt auch für uns Menschen. Wir leben mit vielen Hunderten Arten von Bakterien, Protozoen und Pilzen (Metabiom) intim zusammen, deren Individuenzahl wohl die Anzahl unserer Körperzellen (>100 Billiarden) übertrifft. Diese Mikroorganismen bilden auf unserer Haut, auf allen Schleimhäuten und in unseren Verdauungsorganen individuenreiche Populationen, die für unsere Ernährung, unsere Gemütslage und unseren Immunstatus von großer Bedeutung sind.
Dagegen fürchten wir die Mikroorganismen und Parasiten, die sich nicht an die guten Regeln des Zusammenlebens halten, sondern sich auf unsere Kosten vermehren und uns als Wirt bzw. Zwischenwirt nutzen. Denn nicht immer geht die Geschichte für uns gut aus: Nicht nur ein einzelner Mensch kann unter ihnen leiden oder zu Tode kommen, sondern bei ungünstigen Bedingungen (Epidemien) können Abertausende Menschen gleichzeitig erkranken und sterben.
Die Autorinnen des Psycho-Trojaners fassen den Begriff Parasit sehr weit und behandeln darunter Bakterien, Pilze, Viren, Protozoen und mehrzellige Tiere, die uns Menschen äußerlich (Ektoparasiten) und innerlich (Endoparasiten; Pathogene) sehr nahe oder aus Sicht der Befallenen zu nahe kommen. Bei der Auswahl der vielen Organismen, unter denen vor allem wir Menschen leiden können, haben die Autorinnen insbesondere solche ausgesucht, die einen Einfluss auf unser Gehirn und unsere Psyche haben. Also Parasiten, die sich in unseren Körper einschleichen und unser Verhalten manipulieren. Es sind aber nicht nur die biologischen Erörterungen, die dieses Buch lesenswert machen, sondern auch die spannenden Ausflüge in die Historie und Kulturgeschichte. Die Beschreibung historischer Ereignisse unter dem Aspekt parasitischer Infektionen bringt wohl jedem Leser das eine oder andere Aha-Erlebnis.
Im ersten Teil des Buches geht es um Kopf- und Kleiderläuse sowie um Flöhe, die nicht nur lästige Ektoparasiten sind, sondern diverse Pathogene übertragen können. Läuse sind Wirte für die Bakterienarten Borrelia und Bartonella, die als Ursache für Fleck- und Wolhynisches Fieber angesehen werden, welche Millionen Menschen auf Schlachtfeldern, auf der Flucht oder in Gefängnissen das Leben kosteten. Flöhe und die durch sie verbreiteten Pesterreger (Yersinia pestis) wirkten in den letzten Tausend Jahren besonders verheerend, denn sie entschieden Schlachten und führten zu weltweiten Epidemien, durch die viele Millionen Menschen umkamen. Das nächste Kapitel berichtet über die diversen parasitischen Würmer (Nematoden, Cestoden, Filarien), die für den Wirt nicht nur lästig sind, sondern zu massiven Gesundheitsstörungen führen können, wie im Falle von Elephantiasis, Flussblindheit und Bilharziose. An dieser Stelle gibt es einen Ausflug in die Biologie des intrazellulär lebenden Bakteriums Wolbachia, welches offenbar Physiologie und Verhalten von vielen Organismen (u.a. von Würmern) steuern kann.
Im zweiten Teil des Sachbuches kommen die Erreger und Pathogene zur Sprache, die das Verhalten von Tier und Mensch steuern können und welche die Menschheitsgeschichte beeinflussten. Zunächst geht es um Treponema pallidum, das von spanischen Eroberern aus der Neuen Welt in die Alte Welt eingeschleppt wurde und dort zu Syphilis-Epidemien führte, die alle Gesellschaftskreise betrafen. Bis zur Entwicklung des Antibiotikums Streptomycin im Jahre 1943 war die Syphilis eine gefürchtete Geschlechtskrankheit, vor allem das Endstadium der Neurosyphilis. Zu weiteren Pathogenen, die das Gehirn befallen und das Verhalten verändern können, zählen Viren (Borna- und Tollwut-Viren) und das Bakterium Streptococcus myogenes. Im letzten Kapitel geht es um richtige Psycho-Trojaner: Hier wird die raffinierte Lebensweise von Toxoplasma gondii (ein Einzeller aus der Gruppe der Sporozoen) vorgestellt, der Hauskatzen als Endwirt befällt. Nehmen andere Tiere, z. B. Menschen, Sporozysten von Toxoplasma auf, die im Kot infizierter Katzen oder im rohen Fleisch von Nutztieren vorkommen, dienen sie als Zwischenwirte für die Entwicklung des Parasiten. Für die meisten Menschen bleibt eine Toxoplasmose ohne gravierende Auswirkungen. Wenn jedoch Schwangere sich infizieren, können Toxoplasmen in das Gehirn der Ungeborenen einwandern und diese nachhaltig schädigen. Daher sollten Schwangere den Umgang mit Katzen und den Verzehr von rohem Fleisch meiden. Spannender ist die Situation bei Nagetieren, denn infizierte Mäuse und Ratten verlieren ihre Angst vor Katzen und werden daher bevorzugt gefangen und gefressen. So raffiniert manipuliert ein Parasit das Verhalten eines Zwischenwirts – aber dies sind noch nicht alle Manipulationen, selbst das Sexualverhalten von Ratten wird gesteuert. Aber lesen Sie doch selbst, was die Autorinnen an spannenden Befunden und Spekulationen zusammengetragen haben.

Prof. Dr. Michael Wink, Heidelberg

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