Buch-Tipps & Buchbesprechungen

     

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Eckart Roloff, Karin Henke-Wendt:
Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie.
S. Hirzel Verlag. Stuttgart 2015. 2 Bde., 257 und 266 S., zahlreiche Karten und zusammen über 500 Farbabb., Einzelpreis der Bände:
€ 29,90/sFr. 39,40; komplett: € 49,–/sFr. 64,90

ISBN 978-3777625119

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Jean–Henri Fabre:
Pilze. Herausgegeben von Judith Schalansky. Vorwort von Anita Albus, Nachwort von Anne-Marie Slézec. In französischer und deutscher Sprache.
Matthes & Seitz. Berlin 2015. 615 S., farbige Aquarelle. € 148,–/sFr. 184,90
 

ISBN 978-3957570314

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Horst-Joachim Lüdecke:
Energie und Klima – Chancen, Risiken, Mythen.
expert verlag. Renningen 2016. 2. aktualisierte Auflage. 288 S., 35 Abb., € 28,–/sFr. 37,90
 

ISBN  978-3816933021

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W. Oschmann: Evolution der Erde. Geschichte des Lebens und der Erde. UTB. Stuttgart 2016. 320 S., 180 Abb., 30 Tab.,
€ 24,99/sFr. 31,60
 

ISBN 978-3825244019

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F. Pearce: Die neuen Wilden. Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten. Oekom Verlag. München 2016. 336 S., € 22,95/sFr. 31,90
 

ISBN 978-3865817686

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Buchbesprechungen

   

 

Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie.

Nicht wenige Städte in Deutschland beherbergen Museen, Sammlungen oder Dauerausstellungen zur Geschichte der medizinischen Forschung und der Heilkunde. Dass diese von Interesse sind für jedermann, liegt auf der Hand, denn an Gesundheit und einem langen Leben ist jedermann gelegen. Umso überraschender, das erst jetzt ein Museumsführer über dieses so ungemein wichtige Thema vorliegt.
Wer ahnt schon, welche Fülle größerer und kleinerer Ausstellungsstätten es gibt? Die Autoren Eckart Roloff, Medienforscher und langjähriger Leiter der Wissenschaftsseite des Rheinischen Merkur, sowie die Biologin und Wissenschaftsjournalistin Karin Henke-Wendt haben knapp 170 ausfindig gemacht, die sie in ihrem zweibändigen Werk vorstellen. Der erste behandelt Norddeutschland, der zweite Süddeutschland, wobei Einleitung mit Benutzerhinweisen und Anhang mit einer Gesamtübersicht beider Teile (nach Orten und nach Themen) und einer Liste von 35 Museen im deutschsprachigen Raum (Österreich, Schweiz, Südtirol) identisch sind, so dass jeder Band für sich eigenständig benutzbar ist.
In den attraktiv bebilderten, mit praktischen Klappen versehenen flexiblen Bänden findet man sich rasch zurecht: Die Bundesländer und die Ausstellungsorte sind alphabetisch geordnet, die Besonderheiten der Museen werden auf originelle, im besten Sinne journalistische Weise vorgestellt, wobei auch etwas vom Lokalkolorit spürbar wird, insbesondere bei den kleinen Museen, die aus Eigeninitiative betrieben werden. Tipps weisen auf weitere nahegelegene Museen oder allgemeine touristisch Attraktionen hin. Die Farbphotos machen neugierig, den Text zu lesen, denn auf eine Bildlegende wurde verzichtet.
Überraschend ist die Vielfalt der Präsentationen: Einige der Ausstellungen sind Spezialabteilungen von größeren Museen, etwa des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg oder des Deutschen Museums in München; daneben gibt es umfängliche Sammlungen wie das Medizinhistorische Museum in Ingolstadt, das in Gänze der Entwicklung der Medizin gewidmet ist, oder das Deutsche Apotheken-Museum in Heidelberg. Andere haben sich auf einzelne Bereiche der Heilkunde und bestimmte Zeiträume spezialisiert, etwa auf die Entwicklung der künstlichen Niere im 20. Jahrhundert oder die Geschichte der Lepra, deren Erreger im 19. Jahrhundert dort identifiziert wurde, wo diese Krankheit weit verbreitet war – nämlich in Norwegen. Ein Spezialmuseum zur Entwicklung der Dialyse findet sich in der bayerischen Stadt Fürth, nicht von ungefähr am Geburtsort des bedeutenden Internisten und Robert-Koch-Lehrers Jakob Henle (1809 – 1885), nach dem die Henle’sche Schleife in der Niere benannt ist. Es erinnert auch an weitere Wissenschaftler, die sich auf dem Gebiet der Dialysetechnik verdient gemacht haben, wie es denn eine Reihe von Museen und Gedenkstätten gibt, die an herausragenden Persönlichkeiten erinnern, wie Alois Alzheimer, Emil von Behring oder die drei Anatomen aus der Familie Meckel.
Mit der Aufnahme von 15 (!) Rotkreuz-Museen wird auch das institutionalisierte Gesundheitswesen in den Blick genommen, mitsamt seiner beklemmenden Seiten (Oranienburg: Das Krankenrevier KZ Sachsenhausen). In dem Werk werden auch Dauerausstellungen behandelt, die eher dafür eingerichtet wurden, wichtige, oft auch erstaunliche Phänomene der Physiologie der Wahrnehmung zu demonstrieren, wie dies der Turm der Sinne (www.turmdersinne.de ) in Nürnberg unternimmt.
Allein das Durchblättern der Bände bereitet Freude und macht neugierig, sich die Kulturlandschaft unter pharmazeutisch-medizinischem Aspekt zu erschließen. Hinweise auf Öffnungszeiten oder bevorstehende Schließungen und Überholungen unterstreichen den Charakter eines Reiseführers der besonderen Art.

Dr. Manfred Vasold, Rohrdorf
 

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Jean–Henri Fabre:
Pilze.
Am 3. Dezember 2015 hat der ZEIT-Mitarbeiter Alexander Camman Jean-Henri Fabres Buch Pilze mit den Worten: „So lebendig, so sinnlich waren Pilze noch nie! Der große Insektenforscher malte sie als zarte, wollüstige Wesen: 700 (!) genaue Aquarelle, bislang nur im Museum, jetzt im Prachtband“ zur Weihnachtslektüre und vor allem zur Betrachtung empfohlen. Zu der Zeit war der Band zwar schon lange angekündigt (mit einem Preis von 98 €), aber in den Buchhandlungen noch nicht zu sehen. Kurz vor Weihnachten ist er dann erschienen und kostet einiges mehr, 616 „zarte“ Aquarelle sind es genau, aber „wollüstig“?
Jedenfalls ist dem Verlag Matthes & Seitz mit dem 16. Band seiner Reihe Naturkunden ein besonders schöner Wurf gelungen. Herausgegeben wird das Werk von Judith Schalansky, die auch die anderen Bände betreut. Als studierte Kunstgeschichtlerin, Buchgestalterin aber auch bekannte Schriftstellerin (Atlas der abgelegenen Inseln, Der Hals der Giraffe – beide von der Stiftung Buchkunst hoch geehrt) ist sie die ideale Besetzung für diese Aufgabe. Der Verlag hat sich bereits vorher mit der auf 10 Bände angelegten ersten kompletten deutschen Übersetzung von Fabres Souvenirs Entomologiques – Erinnerungen eines Insektenforschers –, von denen bisher 7 Bände erschienen sind, um die Werke des Autors bemüht. Als Entomologe und hervorragender Schriftsteller, der 1912 für den Nobelpreis für Literatur nominiert worden war (den dann Gerhard Hauptmann erhielt) ist er vielen bekannt, als Künstler ist er jetzt neu zu entdecken.
Anita Albus, verschiedentlich mit Preisen ausgezeichnete Malerin und Schriftstellerin, schrieb das Vorwort zu dem in deutscher und französischer Sprache abgefassten Buch. Mit ihren im besten Sinne „altväterlichen“ Tier- und Pflanzendarstellungen hat sie ein besonderes Verhältnis zu den Pilzaquarellen. Sie beschreibt die ungeheure Formen- und Geruchsvielfalt der Pilze, die auch Fabre zu seinem Unternehmen bewogen haben: „Im Laufe der Jahre hat der Reichtum der Pilze in mir ein aberwitziges Projekt befördert: in Bildern festzuhalten, was ich außerstande war, im flüchtigen Naturzustand in einem Herbarium zu tun. Ich habe mich darangemacht, alle Arten meiner Umgebung in natürlichem Maßstab abzumalen, von den größten bis zu den kleinsten ...“
Einige – notgedrungen kurze – Bemerkungen zur Kultur- und Forschungsgeschichte der Pilze, in denen es um die lange Zeit ungeklärte Frage nach der Zugehörigkeit zum Tier- oder Pflanzenreich sowie der völlig rätselhaften Vermehrung der Pilze geht, ergänzen das Vorwort. Man erfährt, dass Fabre sich zunächst der Erforschung der „Kugelpilze (Sphaeriales)“ angenommen hat, wobei ihm seine Söhne Jules und Émile eifrig zur Hand gingen. (Gemeint sind hier aber sicher Boviste, eine Gruppe nicht näher verwandter kugelförmiger Pilze an trocknen Standorten, wogegen viele phytopathogene Pilze zu den Sphaeriales gehören.) Jules ist dann nur 16jährig gestorben, und der Vater benannte zahlreiche seiner neu entdeckten Pilze nach ihm. Mit enzyklopädischem Eifer malte er dann – nachdem er sich die Aquarelltechnik als Autodidakt angeeignet hatte – mit Hilfe eines simplen Schultuschkastens alle Pilze, denen er in seiner Umgebung habhaft werden konnte und solche, die er geschickt bekam.
Eine Zusammenstellung nach heute gültiger Systematik darf man dabei nicht verlangen. Der Verlag hat sich aber bemüht, Ergänzungen durch geläufige deutsche und französische Trivialnamen hinzuzufügen, wobei dies nicht immer möglich war. So will das Buch in erster Linie als ästhetischer Genuss verstanden werden. Diesem Anspruch kommt es in hohem Maße nach.
Auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Mykologie kann man lesen: „Jede vierte unserer ca. 6000 Großpilzarten in Deutschland gilt als gefährdet!! Zu den am stärksten gefährdeten Arten gehören die Bewohner von Magerrasen. Saftlinge, Wiesenkeulchen, Erdzungen und einige Rötlinge sind genauso bedroht wie Enziane und Orchideen. Diese konkurrenzschwachen Arten tolerieren keine Biotopveränderungen wie Pflügen, Kunstdüngung oder Bodenentwässerung.“
Ob Fabre selbst sich einer solchen Bedrohung bewusst war, wie verschiedentlich behauptet wird, bleibt zu bezweifeln, da die Zeit für solche Betrachtungen noch nicht gekommen war. Inzwischen hat die Realität allerdings eine ganze Anzahl seiner Objekte eingeholt.
Das Nachwort hat Anne-Marie Slézec verfasst; sie ist als „Attachée honoraire“ am Muséum national d‘Histoire naturelle de Paris beschäftigt und hat sich zwischen 1999 und 2007 um die Restaurierung und Wiedereröffnung von Fabres Wohnhauses (Harmas) in Sérignan-du-Comtat (Provence) verdient gemacht. Sie hat unter anderem ein großes Pilzbuch geschrieben und ist damit mit dem Autor und seinem Sujet bestens vertraut. Sie beschreibt die Anfänge der mykologischen Studien Fabres und das weitere Schicksal seiner wachsenden Anzahl von Aquarellen. Es gab Angebote, sie zu erwerben, um dem besonders in späteren Jahren notorisch unter Geldnot Leidenden zu helfen. Er hätte sich nur schwer von ihnen trennen können und bangte um das Schicksal der vielen Blätter. Schließlich verblieben sie doch im Harmas, wo sie heute vom oben erwähnten Museum archiviert werden.

Prof. Dr. Klaus-Günter Collatz, Freiburg
 

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Horst-Joachim Lüdecke:
Energie und Klima – Chancen, Risiken, Mythen.

Als „Klimaskeptiker“ hat man zumindest im deutschen Sprachraum einen schweren Stand. Zum Glück gibt es Lüdeckes Buch, das nach nur drei Jahren bereits in einer zweiten, aktualisierten Auflage erscheint; man ist also nicht allein auf weiter Flur. Zudem liefert uns der Autor mit der bewundernswerten Akribie eines Vollblut-Physikers und Hochschul-Professors stichhaltige, sauber durchgerechnete, quantitative Antworten auf jede Frage, die im Zusammenhang mit dem Thema anthropogene Treibhausgase versus Klima auftreten könnte. Und in jenen seltenen Fällen, wo dies mangels Daten bzw. Wissen nicht möglich ist, sagt er es ganz offen. Damit lässt sich jeder „Klimagläubige“ in die Flucht schlagen, der Physik durch Politik und – noch schlimmer – durch pseudo-religiöse Dogmen ersetzt.
Kommen wir zu den grundlegenden und unbestrittenen Fakten: Weltweit werden jährlich 5 Milliarden Tonnen Kohle, 3 Milliarden Tonnen Erdöl und 2,5 Milliarden Tonnen Erdgas verbrannt. Dabei entstehen (grob approximiert) insgesamt um 34 Milliarden Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Davon werden 55% von den Ozeanen und der photosynthetisierenden Biosphäre aufgenommen. Mit dem Rest wurde der CO2-Gehalt der Atmosphäre vom vorindustriellen Wert von 280 ppmv (0,028%) auf heute 400 ppmv (0,04%) angehoben. Zudem ist Kohlendioxid ein Treibhausgas, das von der Erde reflektierte Wärmestrahlung absorbiert und teilweise zur Erdoberfläche zurückstrahlt. Die Konsequenz ist eine Erwärmung in gewissen Klimazonen, obwohl wir uns seit Ende der 1990er Jahre wieder in einer generellen Abkühlungsphase befinden. Wie groß diese Erwärmung ist, wird von dem Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) ganz unterschiedlich beurteilt, je nach dem, ob er sich an Naturwissenschaftler bzw. Politiker wendet. Dazu kommt, dass „Klima“ eine außerordentlich komplexe, von einer Vielzahl natürlich schwankender Parameter abhängige statistische Erscheinung ist. Diese Schwankungen (die vermutlich der variablen Sonne zuzuschreiben sind) können sehr tiefgreifende Konsequenzen haben.
So war zum Beispiel das Schweizer Mittelland vor ca. 10 000 Jahren von einem 3000 Meter dicken Eispanzer bedeckt – ganz ohne anthropogenes Dazutun. Im 12. Jahrhundert gab es eine lange Warmzeit, mit großen Ernte-Überschüssen und allgemeiner Prosperität. Mit dem von der Kirche eingezogenen Geld wurde der Bau der gotischen Kathedralen Frankreichs finanziert – vollkommen nutzlose, aber überirdisch schöne Bauten. Andererseits herrschte in Europa beim Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit eine „kleine Eiszeit“, dank der niederländische Kanäle und Grachten zum winterlichen Schlittschuhläufer-Paradies wurden. Parallel dazu gab es miserable Ernten sowie weit verbreitete Hungersnöte und Seuchen. Das Klima schrieb auch Weltgeschichte:
Nach einer dekadelangen Warmzeit besiegten außergewöhnlich früh einsetzende, besonders strenge Winter Napoleon in Moskau und Hitler noch vor Moskau.
Nach Lüdecke übertreffen sogar die kurzfristigen naturgegebenen Klimaschwankungen allfällige anthropogen verursachte Änderungen um eine Größenordnung: Sie gehen im statistischen Rauschen unter. Anhand zahlreicher Beispiele und gesicherter Statistiken zeigt der Autor, dass konstantes Klima unmöglich und der Begriff „Klimaschutz“ sinnlos ist. Es gibt auch keine gesicherten Erkenntnisse, dass die Zahl der extremen Wetterlagen zunimmt. Was zunimmt, ist die Bevölkerung – jedes Jahr um über 80 Millionen –, so dass von jeder Naturkatastrophe mehr Menschen betroffen sind. Dass man das Klima auf eine bestimmte Wunschtemperatur einstellen könnte, ist eine eher lächerliche Illusion. Deutschland ist am weltweiten CO2-Ausstoss mit gerade 2,5% beteiligt, die totale Elimination diese Immissionen hätte selbst bei einem „Worst case“-Szenario nur einen vernachlässigbaren Einfluss auf das globale Klimageschehen.
Vollends der Lächerlichkeit gibt sich die Schweiz preis, sie generiert nämlich ganze 0,15% des weltweiten CO2. Und doch wiederholen die dortigen Medien praktisch einhellig mit dem Brustton der Überzeugung, dass milliardenschwere Investitionen in teils sinnlose, teils sogar kontraproduktive Projekte zum Schutz des Klimas und zum Überleben der Menschheit unabdingbar sind. Zugegeben: Von den fossilen Energieträgern müssen wir uns längerfristig verabschieden, vor allem von der die Umwelt (und nur marginal das Klima) wirklich schädigenden Kohle. Vorderhand hat jedoch gerade dieser schmutzige, aber preiswerte und leicht gewinnbare Energieträger Hochkonjunktur: In China wird jede Woche das Äquivalent eines neuen 1000 MWe-Kohlekraftwerks in Betrieb genommen, Indien eifert dem nach. Damit wird der Energiehunger einer weiterhin rasch wachsenden Menschheit gestillt, auf Kosten der Lebensqualität in den im Smog erstickenden asiatischen Großstädten.
Man wird den Verdacht nicht los, dass die „Klimahysterie“ von gewissen politischen Kreisen in die Welt gesetzt wurde, um Macht über die Menschen zu gewinnen. Man geht nach dem bewährten Rezept der Religionen vor, ein schlechtes Gewissen zu erzeugen und dann gleich die Lösung anzubieten: Ablasszahlungen, neuerdings in der Form Tausender, die Landschaft verschandelnder Windturbinen sowie hoffnungslos unwirtschaftlicher Photovoltaik- und Biogasanlagen. In Deutschland ist die Situation besonders dramatisch, weil man den langfristig sicher notwendigen Übergang zu nachhaltigen Energiequellen mit dem Abschalten sämtlicher Kernkraftwerke (die zu den sichersten der Welt gehören) bis 2022 kombinierte. Die Schweiz hat dies prompt nachgeäfft, lässt sich aber mit dem nuklearen Technologieverbot bis 2050 reichlich Zeit. Bis dann sind die heute grauhaarigen Politiker längst im Altenheim und die nachfolgenden Generationen haben hoffentlich bessere Ideen. Der Rest der Welt schaut diesem unsinnigen Treiben mit Verwunderung zu und baut inhärent sichere Kernkraftwerke der vierten Generation. Ohne fluktuationsfreie Grundlast kommt man nicht aus, und die können nur große, ständig laufende Kraftwerke liefern.
Die vom deutschen Konsumenten mit den weltweit höchsten Preisen für elektrische Energie zu bezahlenden Subventionen für Wind- und Solarstrom kommen vor allem den Nachbarstaaten zugute, die überschüssigen deutschen Strom zum Nulltarif bzw. negativen Preisen importieren können. Andererseits lassen sich aufgrund der deutschen Dumpingpreise für erneuerbare Energie sogar die längst amortisierten und optimal umweltfreundlichen Schweizer Wasserkraftwerke nicht mehr gewinnbringend betreiben. Der Preis ihrer Energie ist heute weit höher als der durch massive deutsche Subventionen total verzerrte europäische Marktpreis. Der deutsche Konsument ist trotz allem nicht unzufrieden, sonnt er sich doch in der Illusion, etwas für das Klima und die Umwelt getan zu haben. Schon Otto von Bismarck (1815-1898) hat diese Zusammenhänge trefflich erfasst: „Nichts ist schwieriger als gegen Lügen vorzugehen, die die Leute glauben wollen“.

Dr. Lucien F. Trueb, Ebmatingen-Zürich.
 

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