Buch-Tipps & Buchbesprechungen

     

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Gloria Arratia, Hans-Peter Schultze, Helmut Tischlinger, Günter Viohl (Hrsg.):
Solnhofen. Ein Fenster in die Jurazeit.
Verlag Dr. Friedrich Pfeil. München 2015. 2 Bände im Schuber. 620 S., 1093 Abb., € 150,–/sFr. 174,–

ISBN 978-3899371956

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Jean-Henri Fabre:
Erinnerungen eines Insektenforschers. Band VI. Aus dem Französischen von Friedrich Koch. Mit Essays von Hans Thill und Jürgen Goldstein.
Matthes & Seitz. Berlin 2015. 448 S., mit SW-Abbildungen von Christian Thanhäuser, € 36,90 / sFr. 48,90
 

ISBN 978-3882216769

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C. Dietz, O. von Helversen: Handbuch der Fledermäuse – Europa und Nordwestafrika. Illustrationen von D. Nill.
2. Aufl. Franckh-Kosmos. Stuttgart 2016.  416 S., 400 Farbphotos, 100 SW-Abb., € 68,-/sFr. 88,-
 

ISBN 978-3-440-14600-2

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J. D. Plant, H. F. Paulus: Evolution and Phylogeny of Bees. Analysis in Light of Morphological Evidence ( Hymenoptera, Apoidea).
Zoologica 161. Schweizerbart Science Publishers. Stuttgart 2016.  364 S., 232 Abb., 52 Tab., € 169,-/sFr. 210,90
 

ISBN 978-3-510-55048-7

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G. Schatz: Jenseits der Gene. Essays über unser Wesen, unsere Welt und unsere Träume.
6. Aufl. Verlag Neue Zürcher Zeitung. Zürich 2016 184 S., € 24,90/sFr. 35,90
 

ISBN 978-3038101734

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G. Schatz: Urknall, Sternenasche und ein Fragezeichen. Essays zu Kultur und Wissenschaft.
Verlag Neue Zürcher Zeitung. Zürich 2016. 120 S., € 28,-/sFr. 28,-
 

ISBN 978-3-03810-160-4

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F. Staudacher: Jost Bürgi, Kepler und der Kaiser. Uhrmacher, Instrumentenbauer, Astronom, Mathematiker 1552-1632.
3. Aufl. Verlag Neuer Zürcher Zeitung. Zürich 2016. 312 S., 259 Abb., € 58,-/sFr. 58,-

ISBN 978-3-03810-138-3

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W. Wichtmann, C. Schröder, H. Joosten (Hrsg.): Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Klimaschutz – Biodiversität – regionale Wertschöpfung. Mit Beiträgen von 73 Autoren.
Schweizerbart. Stuttgart 2016.  VIII, 272 S., 153 Abb., 109 Tab., 49 Infokästen, € 59,90/sFr. 74,90

ISBN 978-3510652822

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Buchbesprechungen

   

 

Gloria Arratia, Hans-Peter Schultze, Helmut Tischlinger, Günter Viohl (Hrsg.):
Solnhofen.
Ein Fenster in die Jurazeit.

Es gibt Publikationen, die als Meilensteine gefeiert werden, weil neue und richtungweisende Wege beschritten werden oder weil ein Wissensgebiet allumfassend und augenscheinlich kaum wiederholbar dargestellt wird. Letzteres trifft für das Solnhofen-Buch der Herausgeber Arratia, Schultze, Tischlinger und Viohl zu. Mitgewirkt haben an dem voluminösen, zweibändigen Werk vierzig ausgewiesene Autoren, die alle als Experten auf den von ihnen behandelten Spezialgebieten gelten dürfen. Dennoch wurde als Leserkreis kein enger Zirkel von Fachwissenschaftlern ins Auge gefasst, die allerdings auch auf ihre Kosten kommen; vielmehr hat das erfahrene Herausgeber-Team streng darauf geachtet, dass bei aller wissenschaftlichen Korrektheit und der Darstellung des aktuellen Forschungsstandes ein breiter Interessentenkreis angesprochen wird, der durch über eintausend zumeist farbige Abbildungen schon beim ersten Durchblättern visuell auf eine lustvolle Beschäftigung mit den beiden Bänden eingeschworen wird.
Im Titel des Buches ist der Name einer Ortschaft in der Südlichen Frankenalb, im Altmühltal, genannt: Solnhofen. Bei Geowissenschaftlern in aller Welt hat dieser Ortsname einen guten Klang, verweist er doch auf die etwa 150 Millionen Jahre alten Solnhofener Plattenkalke aus dem Malm (Oberer Jura), die mit Funden des Urvogels Archaeopteryx, des vielleicht berühmtesten Fossils, das Charles Darwin bei der Formulierung seiner Evolutionstheorie als Bestätigung diente, lange schon über ein Alleinstellungsmerkmal verfügen. Die beiden Bände zeigen aber klar auf, dass durch eine Fülle weiterer Fossilfunde tatsächlich ein „Fenster in die Jurazeit“ aufgestoßen wird, wie es im Untertitel formuliert ist. Es zeichnet diese Synopsis aus, dass eine Fossillagerstätte von Weltbedeutung facettenreich aufbereitet und die Lebewelt einer Zeitscheibe des Erdmittelalters gut verständlich erlebbar gemacht wird. Sicherlich hat das vorliegende Solnhofen-Buch eine Reihe von Vorgängern, die sich alle mit den Solnhofener Plattenkalken und seiner außergewöhnlich gut fossil überlieferten Flora und Fauna beschäftigen, doch wird mit diesem bereits vom konzeptionellen Ansatz her neuen und von der Fülle an Informationen konkurrenzlosen Werk tatsächlich ein Meilenstein markiert.
Im ersten Band werden die Plattenkalke zunächst im historischen Kontext betrachtet, wobei dem Naturwerkstein und dem lithographischen Stein, den im frühen 19. Jahrhundert Alois Senefelder erstmals als Druckmedium nutzte, das im 20. Jahrhundert kein Geringerer als Pablo Picasso mit seinen Lithographien künstlerisch neu belebte, eigene Kapitel gewidmet sind. Sodann wird die Erforschungsgeschichte der Solnhofener Fossilien, die bereits im Buchdruck des frühen 17. Jahrhunderts belegt sind, detailreich aufgearbeitet. Im geologischen Teil des Buches taucht der Leser ein in die Paläogeographie der Jurazeit, die gänzlich verschieden war von der uns heute vertrauten Verteilung der Kontinente, wie auch von Land und Meer. Die lithographischen Plattenkalke werden sodann unter sedimentologischen und taphonomischen Aspekten betrachtet. So werden Beispiele für den „Todesmarsch“ des Langarmkrebses Mecochirus oder des Schwertschwanzes Mesolimulus dokumentiert, die am Ende ihrer Fährte verendet sind, was wiederum Rückschlüsse auf die Ver­hältnisse am Meeresboden erlaubt. Mittlerweile berühmt ist die Abbildung eines Fisches der Gattung Caturus, der im Begriff steht, den kleineren Verwandten Tharsis zu fressen, der ihm im Maul steckengeblieben ist. Schließlich wird der Frage nachgegangen, warum bestimmte Fossilien mit vollständigen Skeletten und leicht vergänglicher organischer Struktur erhalten geblieben sind, bei anderen aber unvollständige Erhaltung vorliegt. Ferner wird eine Erklärung für Massenanreicherungen von Schwebseelilien und kleinen Knochenfischen gesucht, die ganze Schichtflächen bedecken und auch in den Besuchersteinbrüchen nicht selten gefunden werden können. Diese und andere Fragen leiten über zu den Hypothesen, die zur Entstehung der Plattenkalke existieren. Trotz weiterhin offener Fragen wird jedoch ein plausibles Szenario zur Genese der lithographischen Plattenkalke entworfen. Ein eigenes Kapitel ist der Bearbeitung der Fossilfunde von der Fundbergung über die Präparation bis zur Dokumentation gewidmet; es leitet über zu wissenschaftlichen Grabungen, die in letzter Zeit in verschiedenen Plattenkalk-Vorkommen der Südlichen Frankenalb, wie z. B. in Painten, durchgeführt wurden, wo völlig unerwartete Fossilfunde gelangen, wie der Einzelfund des Raubdinosauriers Sciurumimus belegt.
Der Hauptteil des Buches widmet sich den geborgenen Floren und Faunen, wobei im ersten Band Mikrofossilien, Pflanzenreste und die wirbellose Fauna behandelt werden, während der zweite Band den Wirbeltieren vorbehalten ist.
Bei den Wirbellosen (Invertebrata) werden die folgenden Gruppen unterschieden: Schwämme (Porifera), Nesseltiere (Cnidaria), Borstenwürmer (Polychaeta), Armfüßer (Brachiopoda), Muscheln (Bivalvia), Schnecken (Gastropoda), Kopffüßer (Cephalopoda), unterschieden in Ectocochlia und Tintenfische, Insekten (Hexapoda), Zehnfußkrebse (Decapoda), Kieferklauenträger (Chelicerata), Stachelhäuter (Echinodermata) mit Seelilien, Seeigeln und Seegurken sowie Kiemenlochtiere (Hemichordata). Bei den Wirbeltieren (Vertebrata) werden zunächst die Fische abgehandelt: Knorpelfische (Chondrichthyes), Knochenfische (Osteichthyes) sowie Hohlstachler oder Quastenflosser (Actinistia oder Coelacanthiformes). Unter den Vierfüßern (Tetrapoda) werden unterschieden: Schildkröten (Testudines), Fischechsen (Ichthyosauria), Schuppenechsen (Lepidosauria), Krokodile (Crocodyliformes), Flugsaurier (Pterosauria), Raubdinosaurier (Theropoda) und ganz zum Schluss der Urvogel Archaeopteryx, mit dem die „Erfolgsgeschichte“ der Solnhofener Plattenkalke begann. Schließlich wird der Bogen gespannt zu oberjurassischen Fossillagerstätten, die außerhalb der Südlichen Frankenalb liegen, beginnend mit den Plattenkalken von Wattendorf und Nusplingen, bis hin zu den französischen Vorkommen von Cerin und Canjuers. Eine mehrseitige Liste der in den Solnhofener Plattenkalken nachgewiesenen höheren Taxa sowie Gattungen und Arten, zeigt auf, welch hochdiverse Floren- und Faunenwelt die Riffe und Lagunen im Umfeld der südlichen Frankenalb sowie die nahen Insel- und Festlandsbereiche bevölkerte. Dennoch zeigen immer wieder auftretende Neufunde, dass auch in Zukunft mit Überraschungen gerechnet werden darf.
Die beiden Bände vermittelt in einer bislang nicht erreichten Fülle einen ungeahnten Blick durch ein weit geöffnetes Fenster in die Jurazeit. Herausgebern, Autoren und nicht zuletzt dem Verleger kann nur gedankt werden für die Realisierung dieses sehr anspruchsvollen Buchprojektes. Dass dieses aufwendige Werk in deutscher Sprache erscheinen konnte, beweist nicht nur Mut, sondern vor allen Dingen viel Enthusiasmus seitens des Pfeil-Verlages. Wer sich wirklich tiefgreifend über alle Aspekte der Solnhofener Plattenkalke informieren möchte, der kann auf dieses Buch gar nicht verzichten. Dabei ist der Preis völlig angemessen. Und wer sich in einem der gegen eine kleine Gebühr zugänglichen Besuchersteinbrüche im Raum Solnhofen oder Eichstätt, mit Hammer und Meißel versehen, selber auf die Jagd nach Fossilien machen möchte, der kann zumindest auf den ersehnten spektakulären Fossilfund hoffen. Immerhin gelang im April 2010 im Besuchersteinbruch Blumenberg der Fund eines Fischsauriers.

Dr. Norbert Hauschke, Halle (Saale)

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Jean-Henri Fabre:
Erinnerungen eines Insektenforschers.

Der französische Entomologe Jean-Henri Fabre (1823–1915) gehört zu den größten Entomologen Europas im 19. Jahrhundert. Seine Souvenirs Entomologiques erschienen in zehn Bänden zwischen 1879 und 1907 und stellen gleichzeitig auch eine Autobiographie dar.
Seit 1907 erschienen immer wieder deutsche Übersetzungen dieser „entomologischen Erinnerungen“, die ein literarisches Meisterwerk darstellen und Fabre als glänzenden Stilisten charakterisieren, der als Naturwissenschaftler, aber auch als Schriftsteller einen wichtigen Platz in der französischen Literatur einnimmt. Nicht umsonst erhielt der 1823 im französischen Zentralmassiv als Sohn eines Bauern geborene, spätere Gymnasiallehrer Fabre den Beinamen „Homer der Insekten“ (Victor Hugo) bzw. „Vergil der Insekten“ (Jules Charles-Roux). Auch Charles Darwin, der mehrfach mit Fabre brieflichen Kontakt hatte, nannte den französischen Naturforscher einen „unnachahmlichen Beobachter“. Fabres Werk faszinierte alle Leser weit über die Grenzen Frankreichs hinaus und war ein fachlicher und literarischer Welterfolg, so dass Fabre 1912 sogar für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde. Fabre hat außer seinen insektenkundlichen Studien zahlreiche Themen als Buchautor aufgegriffen, welche von der Chemie, Arithmetik, Astronomie, Algebra und Trigonometrie bis zur Landwirtschaft reichen.
Der spanische Regisseur Luis Buñuel, der ursprünglich Zoologie in Madrid studierte, war besonders von Jean-Henri Fabre fasziniert. Ein Zitat soll dies erläutern: „Sehr geliebt habe ich die Souvenirs Entomologiques, ein unvergleichliches Buch, das in der Leidenschaft des Beobachtens und der grenzenlosen Liebe zum lebenden Wesen der Bibel weit überlegen ist.“
Buñuel nahm viele entomologische Anregungen von Fabre in seine Filme auf, sogar seine Zwischentitel sind direkt aus den Souvenirs Entomologiques entnommen. Im Programmblatt für Buñuels Film „L’Age d’or“ (Das goldene Zeitalter) bei der Pariser Premiere produzierte Max Ernst eine hervorragende Abbildung, welche eine Gottesanbeterin zeigt, die ihr Männchen nach dem Coitus verzehrt.
Der Berliner Verlag Matthes & Seitz hatte sich ursprünglich zum Ziel gesetzt, bis zu Fabres 100. Todesjahr 2015 eine vollständige deutsche Übersetzung der Erinnerungen eines Insektenforschers vorzulegen. Dies ließ sich zwar nicht realisieren, immerhin ist jedoch neben dem hiermit besprochenen sechsten Band bereits der siebte Band erschienen und die Reihe soll erst mit dem zehnten Band ihren Abschluss finden. Überdies hat derselbe Verlag ein umfassendes Werk über die geheimnisvolle Welt der Pilze herausgegeben, denn auch diese Organismengruppe wurde von Fabre aquarelliert und im Detail beschrieben (NR 5/2016, S. 265).
Die bislang vorgelegten Bände der „Erinnerungen“ sind hervorragend und übertreffen fast alles, was bisher im deutschsprachigen Raum an Fabre-Übersetzungen existiert. Natürlich ist dies vor allem das Verdienst des 1933 in der Nähe von Nürnberg geborenen Übersetzers Friedrich Koch, der Fabres Texte in liebevoller Weise übersetzt hat, so dass sowohl entomologische Laien als auch Fachwissenschaftler sofort wissen, um was es geht. Übrigens wirkte der Übersetzer bis 1994 als evangelischer Pfarrer bei Dinkelsbühl. Wer Textpassagen aus dem vorliegenden Band VI mit anderen Übersetzungen vergleicht, z.B. dem im Franckh-Kosmos-Verlag erschienenem Werk Bilder aus der Insektenwelt oder der im Insel-Verlag unter dem Titel Das offenbare Geheimnis erschienenen übersetzten Auswahl (Herausgegeben von Adolf Portmann und Kurt Guggenheim), der wird feststellen, dass Friedrich Koch hervorragende Arbeit geleistet hat.
Die bei Matthes & Seitz erschienenen, mit Leineneinband, Fadenbindung, hochwertigem Papier und Lesebändchen herausgegebenen Bände wurden von Christian Thanhäuser sorgfältig illustriert, so dass es möglich ist, sich gewissermaßen mit den Augen Fabres, „dem kleinen Welttheater am Boden“ (Süddeutsche Zeitung) zuzuwenden .
Der vorliegende VI. Band enthält eine große Zahl faszinierender Kapitel. Allein den Käfern, wie z. B. Sisyphus, dem Pillenwälzer, Copris lunaris, dem Mondhornkäfer, Mistkäfern oder Totengräbern sind mehrere Kapitel gewidmet. Auch geht Fabre auf Warzenbeißer (Decticus verrucivorus), Heupferd (Tettigonia viridissima), Grille (Gryllus campestris) oder Feldheuschrecke (Chorthippus spec.) ein und legt seinen Schwerpunkt auf Schmetterlingsraupen, wie z. B. Prozessionsspinner oder die Raupe des Erdbeerbaumfalters. Neben den liebevoll abgehandelten Monographien zu bestimmten Insektenarten finden sich im vorliegenden Band auch zahlreiche Kapitel zur allgemeinen Entomologie und Biologie. So geht es um Atavismen, die Färbungen der Insekten oder die bei vielen Insektentaxa vorhandenen Gifte. Weitere Informationen zum Thema erhält der Leser durch die abschließenden Artikel von Hans Thill und Jürgen Goldstein sowie die knappen Anmerkungen zum Text.
Besonders interessant sind die Ausführungen Fabres zum Vorkommen und zur Bedeutung von Harnsäure und anderen Inhaltsstoffen bei Insekten. Im Werk Vergleichende chemische Physiologie der niederen Tiere, einem Standardwerk von Otto von Fürth aus dem Jahre 1903 (Gustav Fischer, Jena), wird immer wieder auf die bahnbrechenden Experimente von Fabre verwiesen, die insbesondere auch im vorliegenden Band enthalten sind. Bei von Fürth heißt es u. a. „Durch eine Reihe systematischer, mit Selbstaufopferung am eigenen Leibe durchgeführter Versuche ähnlicher Art stellte Fabre die interessante Thatsache fest, dass ebenso wie die Prozessionsraupen, sämtliche daraufhin untersuchten Lepidopteren einen Giftstoff in ihrem Stoffwechsel produzieren und im Harne ausscheiden, der auf die menschliche Haut gebracht, eine heftige lokale Entzündung hervorruft. Um sicherzustellen, dass das Gift wirklich dem Harne und nicht dem Darminhalte eigentümlich sei, sammelte Fabre den Harn zahlreicher frisch ausgeschlüpfter Schmetterlinge verschiedener Art, die noch keine Nahrung aufgenommen hatten.“
Die zahlreichen Vermutungen von Fabre bezüglich der Bedeutung der Harnsäure bei Insekten können zwar heute aus der Sicht der Biochemie bzw. chemischen Ökologie der Insekten nicht immer aufrecht erhalten werden, seine Versuchsansätze sind jedoch für die damalige Zeit bahnbrechend. Mittlerweile weiß man, dass das Exkret Harnsäure nicht nur für die Färbung von Arthropoden bedeutsam sein kann, sondern auch vor oxidativem Stress schützt, welcher dadurch entsteht, dass von Insektenlarven phototoxische Allelochemikalien über die Nahrung aufgenommen werden.
Insgesamt kann das fachlich immer wieder interessante, schriftstellerisch unübertroffene und spannende Buch des französischen Entomologen Jean-Henri Fabre in der Übersetzung von Friedrich Koch nur jedem empfohlen werden. Darüber hinaus ist das Werk, wie auch die anderen Bände der Serie aus dem Matthes & Seitz Verlag, äußerst geschmackvoll gestaltet und auch drucktechnisch hervorragend. Es sollte in keiner Bibliothek fehlen und kann auch als Reiseführer dienen, wenn man Fabres Wohnhaus und Museum „Harmas“ in Sérignan-du-Comptat bei Orange (Provence) aufsucht.

Prof. Dr. Konrad Dettner, Bayreuth
 

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