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Buch-Tipps & Buchbesprechungen |
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Ernst Peter Fischer:
Laser – Eine deutsche Erfolgsgeschichte von Einstein bis
heute.
Siedler Verlag. München 2010. 304 S., Abb., € 22,95 /sFr. 39,90
ISBN:
3-88680-946-3
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Norbert Elsner, Hans-Joachim Fritz, Stephan Robbert Gradstein,
Joachim Reitner (Hrsg.): Evolution – Zufall und
Zwangsläufigkeit der Schöpfung. Wallstein Verlag. Göttingen 2009.
€ 28,- /sFr. 45,90, 461 S., 180 Abb.,
ISBN: 3-8353-0301-5
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Katharina Standhartinger: Organische Chemie für Ahnungslose.
S. Hirzel Verlag. Stuttgart 2010. XII, 196 S., 150 Abb., 35 Tab., €
26,-/sFr. 44,20
ISBN: 3-7776-1640-0
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H.- H. Bergmann: Vogelfedern an Nord- und Ostsee – Finden und
Bestimmen. Quelle & Meyer Verlag. Wiebelsheim 2010. 160 S., 139
Abb., € 14,95
ISBN:
3-494-01492-2
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B. Coster: Vögel richtig fotografieren. Haupt Verlag. Bern
2010.
160 S., 120 Fotos, € 29, 90 /sFr. 49,-
ISBN: 3-258-07547-6
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C. Darwin: Charles Darwin‘s gesammelte Werke. Auswahl in 6 Bänden.
Faksimile-Nachdruck der Lieferungen 1-52, erschienen von 1880 bis 1881. Aus
dem Englischen übersetzt von J. Victor Carus. E. Schweizerbart’sche
Verlagsbuchhandlung. Stuttgart 2009. € 398.-
ISBN: 978-3-510-65250-1
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R. Kramer, I. Domnick, K. Herber: Berufs- und Karriere-Planer
MINT Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. Der
analytische Weg zum Erfolg. Aus der Reihe, MINT: Transfer zwischen Forschung
und Praxis. Verlag Vieweg+Teubner. Wiesbaden 2010. 228 S., € 19,90
ISBN: 3-8348-0756-7
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K. Janke: Schnecken Muscheln & Tintenfische an Nord- und Ostsee –
Finden und bestimmen. Quelle & Meyer Verlag. Wiebelsheim 2010. 192 S., 334
Abb., € 14,95
ISBN: 3-494-01456-6
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M. Kühl, S. Gessert: Entwicklungsbiologie. UTB Uni-Taschenbücher Bd.
3331 Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart 2010. 271 S., 152 Abb., € 24,90 /sFr.
43,70
ISBN: 3-8252-3331-6
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F. Toenniessen: Das Geheimnis der transzendenten Zahlen. Eine etwas
andere Einführung in die Mathematik. Spektrum Akademischer Verlag.
Heidelberg 2010. 434 S., 140 Abb., € 24,95 /sFr. 39,-
ISBN: 3-8274-2274-4
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E. Landolt et al.: Flora indicativa. Ökologische Zeigwerte und
biologische Kennzeichen zur Flora der Schweiz und den Alpen. Ecological
indicator values and biological attributes of the Flora of Swizerland and
the Alps. Haupt Verlag. Bern 2010. 378 S., deutsch/englisch, Tab., €
70,-/sFr. 98,-
ISBN: 978-3-258-07461-0
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A. Müller: Schwarze Löcher. Die dunklen Fallen der Raumzeit.
Astrophysik aktuell. Spektrum Akademischer Verlag. Heidelberg 2010. 206 S.
60 Abb., € 16,95/sFr. 25,-
ISBN: 3-8274-2070-9
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T. Posch, A. Freyhoff, T. Uhlmann (Hrsg.): Das Ende der Nacht.
Die globale Lichtverschmutzung und ihre Folgen. Wiley-VCH.
Weinheim 2009. 151 S., 50 Abb., € 29,-
SBN: 3-527-40946-7
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H.- W. Vohr (Hrsg.): Toxikologie. Wiley-VCH. Weinheim 2010. Band 1.
Grundlagen der Toxikologie, 456 S., € 44,90/sFr. 72,- Band 2. Toxikologie
der Stoffe, 296 S., € 34,90/sFr. 56,-
ISBN: 3-527-32319-8
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U. Wiesing (Hrsg.), K.-R. Brintzing (Hrsg.), B. Grün (Hrsg.), H. Junginger
(Hrsg.):
Die Universität Tübingen im Nationalsozialismus. Contubernium.
Tübinger Beiträge zur Universitätswissenschaftsgeschichte Band 73. Franz
Steiner Verlag. Stuttgart 2010.1136 S., 27 Abb., € 99,-/sFr. 168,30
ISBN:
978-3-515-09706-2
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Buchbesprechungen |
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Ernst Peter Fischer:
Laser – Eine deutsche Erfolgsgeschichte von Einstein bis
heute.
Der bekannte Wissenschaftshistoriker E. P. Fischer vermittelt
in seinem neuen Werk Laser alle grundlegenden Kenntnisse, die man
als „gebildeter Mensch“ über das „gebündelte Licht“ besitzen sollte,
das hochkohärent und nahezu monochromatisch ist. Das neue Werk
erscheint rechtzeitig zum 50. Jahrestag seiner Entdeckung bzw.
Erfindung: Der erste Laser (Light Amplification by Stimulated
Emission of Radiation) wurde 1960 von den amerikanischen Physikern
Theodore H. Maiman und Irnee J. D’ Haenens mit einem Rubinkristall
erzeugt, doch haben zu seiner weiteren Erforschung und Entwicklung
auch deutsche Wissenschaftler entscheidend beigetragen. Der Autor
erzählt nicht nur diese „deutsche Erfolgsgeschichte“ (von Einstein
bis heute), sondern vermittelt hervorragende Eindrücke vom
gebündelten Licht, das in den letzten fünfzig Jahren unsere Welt
veränderte und immer noch weiter verändert. Besonders hervorzuheben
und anzuerkennen ist, dass E. P. Fischer nicht nur
Wissenschaftshistoriker und Experten informiert, sondern auch den
gebildeten Laien in die faszinierende Entwicklung der
Lasertechnologie einbezieht. Dies gelingt einmal durch den
Schreibstil (kurze prägnante Sätze), durch die anschauliche
Erläuterung der Fachbegriffe und deren sprachliche Genese und
darüber hinaus durch das ausführliche Glossar, welches mit dem
Begriff „Ablation“ beginnt und dem Terminus „Zytoskop“ endet. Die
Leserfreundlichkeit wird noch dadurch intensiviert, dass die Texte
nur ein Minimum an Fachbegriffen enthalten. Das vorliegende Werk
informiert daher nicht nur über die Geschichte einer
Schlüsseltechnologie, sondern will auch „allgemeinbildend wirksam“
sein. Sehr hilfreich ist hierfür die „Zeittafel“, welche
entscheidende Eckdaten erwähnt, die eng mit der Genese und
Entwicklung der Lasertechnik zusammenhängen. Sie beginnt mit James
C. Maxwells Theorie der elektromagnetischen Felder und schließt mit
dem Hinweis auf einen Artikel in der Zeitschrift Nature vom 7.
Januar 2010. Die Bedeutung der neuen Technologie wird auch daran
deutlich, dass zwischen 1964 und 2005 mehr als 20 Wissenschaftler
für Forschungen auf diesem Gebiet mit dem Nobelpreis für Physik oder
für Chemie ausgezeichnet wurden!
Es gibt heute kaum noch einen Bereich unseres Lebens, in dem wir
nicht auf die Hilfe des Lasers zurückgreifen. Wir nutzen ihn zum
Musikhören, zum Schneiden, Schweißen und Fräsen, zum Vermessen und
im Operationssaal. Der Laser ist inzwischen auch ein wichtiges
Hilfsmittel bei der Verbrechensvorbeugung und Verbrechensbekämpfung.
E. P. Fischer weist nachdrücklich darauf hin, dass die Entwicklung
des Lasers eng mit der Theorie des Lichts zusammenhängt. „Wann immer
auch Laser zum Einsatz kommen, entfalten sie ihre Wirkung mithilfe
der Energie in Form von Licht“.
Es war vor allem Albert Einstein, der sich viele Jahre mit dem
„Geheimnis“ des Lichtes beschäftigt hat (z. B. die Dualität von
Wellen und Teilchen). Wir können bis heute nicht sagen, was Licht
eigentlich ist und so bleibt das Licht ein Geheimnis, das uns keine
Ruhe lässt. Erwähnt werden in diesem Zusammenhang Einsteins
Hypothese von den Lichtquanten und sein Vorschlag einer stimulierten
Emission in Verbindung mit der „Quantentheorie der Strahlung“. Die
für das Lasergeschehen maßgebliche Einsicht besteht in der Existenz
von charakteristischen Zuständen, die durch unterschiedliche
Energien ausgezeichnet sind. Wenn Atome zwischen diesen diskreten
Zuständen durch Quantensprünge wechseln, wird das Licht frei, das
man durch geeignete Anordnungen in einen Laserstrahl verwandeln
kann.
Die Analyse der Industriegeschichte zeigt deutlich, dass die USA in
den 1980er Jahren ihren bisherigen Vorsprung in der laserbasierten
Fertigungs- und Produktionstechnik phasenweise aus der Hand gegeben
haben. Diese Lücke konnte Deutschland ausfüllen. Ein Grund dafür
war, dass sich die besten amerikanischen Experten stark um die von
Präsident Reagan initiierte Strategische Verteidigungsinitiative SDI
kümmerten. Die Vereinigten Staaten sollten im Falle eines „Kriegs
der Sterne“ gegen das sogenannte „Reich des Bösen“ gut gerüstet
sein. Eine wichtige Waffe sahen die Amerikaner in den sogenannten
„Todesstrahlen“ (Lasern). Die umworbenen US-Spezialisten schienen
sich in diesem politischen Zusammenhang seit den 70er und späten
80er Jahren auf militärische Anwendungen der Lasertechnologie
konzentriert und über keine freien Kapazitäten für die industriellen
Möglichkeiten verfügt zu haben. Hier zeigte sich die Problematik der
Kooperation zwischen Wissenschaft, Industrieentwicklung und Politik.
Abschließend sei erwähnt, dass entscheidende Impulse zur Entstehung
dieses lesenswerten „Jubiläumsbandes“ von der
Berthold-Leibinger-Stiftung in Ditzingen bei Stuttgart ausgegangen
sind.
Prof. Dr. Gottfried Kleinschmidt, Leonberg
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Norbert Elsner,
Hans-Joachim Fritz, Stephan Robbert Gradstein,
Joachim Reitner (Hrsg.): Evolution – Zufall und
Zwangsläufigkeit der Schöpfung.
Nimmt es denn kein Ende?
Muss denn immer noch über „Zufall und Notwendigkeit in der
Evolution“ nachgedacht und geschrieben werden? Nach den unzähligen
Veröffentlichungen und Tagungen zu genau diesem Thema könnte man
meinen, es sei doch allmählich alles gesagt, was dazu gesagt werden
kann. Tatsächlich behandeln die 18 Beiträge zu dem vorliegenden Buch
die Frage, was in der „Schöpfung“ auf Zufall und was auf
Zwangsläufigkeit beruht, nur am Rande. Stattdessen berichten in 15
Kapiteln ausgewiesene Fachleute aus ihrem Arbeitsgebiet über
aktuelle Beiträge zum Verständnis der Evolution. Im letzten, 16.
Kapitel schreibt der Entwicklungsbiologe Herbert Jäckle über das
Verhältnis von Wissenschaft und Religion bzw. von Forschen und
Glauben, und er tut dies ohne Polemik und Überheblichkeit, sondern
nüchtern und so gemessen, dass auch ein Mehr an Schärfe und
Abgrenzung noch nicht geschadet hätte.
Jeder einzelne Beitrag ist spürbar geprägt von der Kompetenz der
Autoren (es gibt nur eine Coautorin), die zahllose bisher nicht oder
nur wenig bekannte Berichte aus der Geschichte ihres Fachs ebenso
wie über ganz rezente Entwicklungen in ihre Kapitel eingearbeitet
haben. Rainer Willmann beginnt mit einer „Ideengeschichte der
Evolutionstheorie“, in der er vor allem die vor-darwinischen Wurzeln
der Evolutionstheorie darstellt, die Entwicklung derselben bei
Charles Darwin, und ihre Bedeutung für die Bestimmung unseres
Verhältnisses zu anderen Lebewesen. Nicolaas Rupke geht in einem
„Was wäre, wenn …“-Spiel der Frage nach, ob es eine
Evolutionstheorie auch ohne Charles Darwin gegeben hätte, wobei er
den derzeitigen evolutionsbiologischen Mainstream mit deutlich
abwertendem Unterton als „Evolutionsorthodoxie“ bezeichnet.
Hans-Joachim Fritz, Manfred Eigen und Günter Wächtershäuser widmen
sich in ihren drei Kapiteln den Anfängen des Lebens, dem Ursprung
der genetischen Information und den Umweltbedingungen in einer
vulkanischen Eisen-Nickel-Schwefel-Welt. Werner Arber beginnt mit
der molekularen Basis der biologischen Evolution, auf deren
Grundlage er ausführlich die Möglichkeit und die Konsequenzen
horizontalen Gentransfers erörtert, um schließlich die
„traditionelle Weisheit“ der biblischen Schöpfungsgeschichte
hervorzuheben. Axel Meyer diskutiert im Lichte neuester Daten zur
Molekularsystematik von Süßwasserfischen in isolierten Seen die
Möglichkeit, ja geradezu die Denknotwendigkeit sympatrischer
Artbildung. Norbert Elsner, Anja Klöpfel (die erwähnte einzige
Autorin) und Jan Sradnick betonen Hybridisierung als Motor der
Entstehung von Vielfalt sowohl unter Pflanzen als auch unter Tieren
(hier als Beispiele mehrere Heuschrecken-Gemeinschaften). Sven
Bradler kommt nach einer ausführlichen Darstellung von in der
Literatur belegten Atavismen zu dem Ergebnis, dass die Stammart der
heutigen Stab- und Gespenstschrecken höchstwahrscheinlich
ungeflügelt war und innerhalb dieser Verwandtschaftsgruppe perfekte
Flügel mehrfach unabhängig wieder gebildet wurden, was unweigerlich
zur Annahme eines „Kryptotypus“ führt, der von nicht abgerufenen
(aber noch intakten) genetischen Bauanleitungen gebildet wird. Die
Frage der Entstehung der grundlegenden Tier-Konstruktionen im
Präkambrium ist das Thema von Joachim Reitner in seinem Beitrag über
die „Schneeball-Erde“, d.h. „eine eisige Welt vor 600 Millionen
Jahren“. Stephan Robbert Gradstein schildert unter „Entwicklung im
Grünen“ die Evolution der Pflanzen, mit speziellen Abschnitten über
molekulare Methoden und über carnivore Pflanzen. Martin Sander
versucht eine Erklärung des Gigantismus der Riesensaurier durch die
Erschließung energiereicherer Nahrung und die Einsparung von Energie
durch die Ausbildung von Leichtbauweise, langen Hälsen und
Vogellungen. Wighart von Koenigswald und Philip D. Gingerich
untersuchen die Evolution der Wale anhand des Fossilberichts. Sie
belegen, dass die Schwestergruppe der Wale unter den Paarhufern zu
suchen ist, oder diese insgesamt die Nächstverwandten der Wale sind.
Friedemann Schrenk beschäftigt sich mit der Abstammung des Menschen
unter Berücksichtigung neuester Fossilfunde. Bert Hölldobler zeigt
in seinem Beitrag, dass die „Ablehnung des Fremden“ unter allen
soziallebenden Tieren zu beobachten ist, folgert, dass es eine
erbliche Grundlage dafür geben muss (weil ja auch ein
Selektionsvorteil dafür auszumachen ist), und vermutet, dass auch
die Xenophobie bei Menschen auf eine stammesgeschichtliche Anpassung
zurückgeht, wendet sich aber strikt gegen einen möglichen
naturalistischen Fehlschluss (vom Sein auf das Sollen). Franz M.
Wuketits sucht nach möglichen phylogenetischen Wurzeln menschlicher
Moral und endet dabei in der Erkenntnis, dass mit der evolutionären
Ethik eine strenge Prinzipienethik nicht vereinbar sei, sondern nur
„eine individuelle Verhandlungsmoral, die der jeweiligen Situation
auch Kompromisse erlaubt“.
Jeder dieser Beiträge hat seinen eigenen Reiz. Welche einem besser
gefallen als die anderen, hängt ausschließlich vom persönlichen
Geschmack ab. Mir sagten am meisten die Kapitel zu, in denen
evolutionäre Vorgänge als Wechselwirkungen gesehen werden, wie zum
Beilspiel die Evolution der Riesensaurier in Martin Sanders Beitrag
oder die Verhaltensstrategien verschiedener Ameisenarten im Kapitel
von Bert Hölldobler. Ob man an einigen Formulierungen Kritik
anbringen möchte, wird nur davon bestimmt, wie penibel man
begrifflich ist. Dass im sechsten Jahrzehnt nach Willi Hennigs
„Grundzügen“ (1950) am Wirkungsort von Peter Ax ein Buch
herausgegeben wird, in dem „die frühen Wale von den Paarhufern
abgeleitet werden“, unter peinlicher Vermeidung jeder exakten
Hennig’schen Begrifflichkeit, wird Nicht-Phylogenetiker gar nicht
stören.
Mein einziger ernsthafter, aber mit Nachdruck vorzubringender
Einwand betrifft die Art, wie auf Quellen verwiesen wird. Es gibt in
diesem Buch kein alphabetisches Literaturverzeichnis und auch keinen
Sach- und/oder Autoren-Index. Am Ende einiger Kapitel finden sich
einige Verweise auf weiterführende Literatur, aber ansonsten sind
die Quellenangaben in fortlaufenden Fußnoten untergebracht. Dass
dies in Geisteswissenschaften Usus ist, bedeutet keinesfalls, dass
man es nachmachen sollte. Wem bei der Lektüre des Buches Fragen in
den Sinn kommen wie: Hat denn einer der Autoren, die sich mit der
Entstehung des Lebens beschäftigen, Arbeiten von Bill Martin
berücksichtigt (der immerhin ein stimmiges Szenario vorgelegt hat,
das sich grundlegend von allem unterscheidet, was im vorliegenden
Buch zu lesen ist)? – oder: Kannte wohl Joachim Reitner die
Vorstellungen von Andrew Parker zur „Kambrischen Explosion“? – oder:
Nimmt Franz Wuketits Bezug auf die Arbeiten von Eve-Marie Engels
über Darwin und Ethik?, dem bleibt nur die mühsame Suche durch über
Hundert Fußnoten, um nach zahllosen anderen Quellen, Kommentaren und
Querverweisen zu dem Ergebnis zu gelangen, dass wohl die Antwort auf
alle drei obigen Fragen „nein“ ist. Ich bin so frei und konstatiere,
dass solcherlei scheinbare Exaktheit nichts anderes ist als
akademisches Imponiergehabe von äußerst beschränktem Gebrauchswert.
Dieser Mangel ändert nichts daran, dass hier ein anregendes,
hochaktuelles, größtenteils leicht zu lesendes und äußerst gefällig
illustriertes Buch vorliegt, das seinen Preis allemal wert ist.
Prof. Dr. Michael Schmitt, Universität Greifswald
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Katharina Standhartinger:
Organische Chemie für Ahnungslose.
Viele Studierende (egal ob Haupt- oder Nebenfach)
oder Auszubildende natur- und lebenswissenschaftlicher Berufe, die sich mit
Chemie beschäftigen müssen, teilen sicher die zu Beginn von der Autorin
geäußerte Einschätzung, dass die organische Chemie mit ihrer enormen
Vielzahl an Verbindungen anfangs unübersichtlich und schwer erlernbar
erscheint. Man macht schnell die Erfahrung, dass reines Auswendiglernen hier
nicht weiterführt, sondern ein strukturiertes Verständnis der Organischen
Chemie nötig ist. Die Autorin will mit diesem Büchlein auf knapp 200 Seiten
genau dies erreichen, nämlich „wissensdurstigen Menschen eine Hilfestellung
zu geben, organisch-chemisches Grundwissen zu wiederholen und zu vertiefen“.
Da es bereits eine Reihe ähnlicher mehr oder weniger guter und
empfehlenswerter Bücher auf dem Markt gibt, war ich gespannt darauf, was
mich erwartet.
Das Buch gliedert sich in 25 Kapitel. Nach einer kurzen Einleitung und zwei
Kapiteln über den Atombau und die Bindungsverhältnisse in organischen
Molekülen folgt das Buch im Wesentlichen der klassischen, sich an den
Stoffklassen orientierenden Beschreibung organischer Moleküle. Nach den
Kohlenwasserstoffen (Alkane, Alkene, Alkine und Aromaten) werden die
wichtigsten sauerstoffhaltigen Verbindungen (Alkohole, Ether,
Carbonylverbindungen sowie Carbonsäuren und ihre Derivate) behandelt. Das
Buch endet mit einer Diskussion ausgewählter Klassen von Biomolekülen
(Kohlenhydrate, Peptide und Proteine, Fette). Zwischen diese Abhandlungen
der Stoffklassen sind zwei Kapitel zu Redoxreaktionen (bei den
Carbonylverbindungen) und zur Spiegelbildisomerie (bei den Kohlenhydraten)
eingeschoben. Die einzelnen Kapitel sind sehr unterschiedlich lang. Die
kürzesten bestehen nur aus einer Seite, die längsten aus etwa 25 Seiten. Der
Inhalt ist knapp präsentiert, Auflistungen wichtiger Punkte und grau
unterlegte Merksätze sollen zur Strukturierung beitragen und das Lernen
erleichtern.
Gelingt es der Autorin, wie gewünscht ein grundlegendes Verständnis der
organischen Chemie zu vermitteln? Aus meiner Sicht leider nicht. Die
inhaltlichen Beschreibungen bewegen sich durchgehend auf Schulniveau und
sind zudem an vielen Stellen sehr bzw. zu einfach und plakativ gehalten.
Dadurch wird aus meiner Sicht eine große Chance vertan. Organische Chemie
lässt sich anhand einer reinen Stoffklassensystematik nicht wirklich
verstehen, sondern bleibt in vielen Bereichen „unverständlich“ und auf
„Auswendiglernen“ beschränkt. Gerade dies wollte die Autorin aber eigentlich
vermeiden. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis zum Verstehen polarer
organischer Reaktionen („Nucleophil reagiert mit Elektrophil“) wird z.B. nur
am Rande erwähnt. Der Schritt hin vom Auswendiglernen einzelner Mechanismen
zum konzeptionellen Verständnis bleibt damit weitgehend aus. Exemplarisch
sei z.B. die Beschreibung der Hydratbildung bei Carbonylverbindungen erwähnt
(Abb. 19.9). Hier werden drei hintereinander stattfindende Reaktionsschritte
in ein einziges Bild mit hin und her klappenden Elektronenpaaren gepresst!
Welcher noch so engagierte Lernende soll so verstehen, was bei dieser
Reaktion wirklich passiert? Da hilft es aus meiner Sicht auch nichts, wenn
entschuldigend darauf hingewiesen wird, dass es sich um einen verkürzten
Mechanismus handelt. Abgesehen davon, dass eine solche Darstellung
unübersichtlich und didaktisch schlecht ist, ist sie auch schlicht falsch.
Vor allem in den Kapiteln zu Carbonylverbindungen sind viele Reaktionen
ähnlich unübersichtlich formuliert. Zur reinen „Lego-Chemie“ werden dann
Beschreibungen wie die z.B. in Abb. 23.21 gezeigte Disaccharidbildung. Ein
echtes Verständnis der Organischen Chemie bleibt so auf der Strecke.
Vereinfachungen sind erlaubt und sinnvoll, aber sie sollten chemisch korrekt
sein! Weiterhin enthält das Buch viele unnötige Fehler und Ungenauigkeiten (Bromoniumionen
sind z.B. keine Übergangszustände, sondern echte Zwischenstufen). Auch die
Stoffauswahl ist für mich nicht immer nachvollziehbar. Warum wird z.B.
ausführlich das Aufstellen von stöchiometrisch ausgeglichenen
Redoxgleichungen diskutiert, das zwar in der Schule in der allgemeinen
Chemie einen wichtigen Platz einnimmt, aber für das Verständnis der
organischen Chemie eigentlich eher unwichtig ist? Dafür werden so elementar
wichtige Reaktionen wie die nucleophile Substitution (an gesättigten
C-Atomen) oder die Eliminierung zur Darstellung von Alkenen überhaupt nicht
erwähnt.
Fazit: Das selbst gesteckte Ziel der Autorin, auf einfache und
übersichtliche Weise zu einem „universellen Verständnis“ der organischen
Chemie beizutragen, erfüllt dieses Buch aus meiner Sicht nicht. Zum
Wiederholen einiger Aspekte der reinen Stoffchemie mag es geeignet sein, zum
wirklichen Verstehen der Organischen Chemie nicht. Schade. Der Bedarf für
ein solches Büchlein ist sicherlich da. Wünschen wir uns daher, dass eine
Neuauflage den selbstgesteckten Zielen besser gerecht wird.
Prof. Dr. Carsten Schmuck, Universität Duisburg-Essen
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